So, dank der Oscarnacht hat es mich nun auch offiziell zu Twitter verschlagen. Meine aktuellen Tweets findet ihr ab jetzt auch in der rechten Leiste. Einfach folgen und meinem Gezwitscher zur Oscarnacht 2011 lauschen!
Da ist es: Das Video zu unserem diesjährigen Beitrag für den Eurovision Song Contest 2011 “Taken by a Stranger” von Lena – und es ist glücklicherweise deutlich professioneller gefilmt als das offizielle Video zu “Satellite”! Seltsam, aber der Song hat etwas. Mal sehen, wie gut es dieses Jahr für Deutschland aussieht und hoffentlich gibt es dafür wieder im nächsten Jahr “Unser Star für Stadt XY” anstatt der One-Woman-Show in diesem Jahr.
Fantastisch einfach. “Black Swan” fehlt fürchterlich, dafür ist “The Social Network” perfekt getroffen. Mal sehen, ob ich heute Nacht tatsächlich wach bleibe… die Lust steigt.
Grau in grau: Ist das vielleicht ein Wetter! Perfekt, um sich heute ganz gemütlich mit seinem Laptop im Bett zu verkriechen und ein wenig im Internet zu stöbern und zu schmökern. Zwei Artikel hätte ich für euch, die es in meinen Augen an diesem schmuddeligen Sonntag absolut wert sind, gelesen zu werden.
Deutsches TV: Wir wollen keine Kinder – Jedes Kind der 90er Jahre kennt sicherlich Bim Bam Bino & Co – geniale Moderatoren aus Plüsch, die uns die Blöcke zwischen “Saber Rider” und anderen Trickfilmklassikern verschönert hatten. Samstag morgens um 6:30 Uhr aufstehen um Inspektor Gadget zu schauen? Verrückt, aber kein Problem, für uns Kinder gab es damals wirklich ein absolut reichhaltiges Programm an abwechslungsreichen Serien. Und heute? Einheitsbrei pur, das morgenliche Kinderprogramm bei RTL und ProSieben sind längst abgeschafft. Für Nostalgiker wie mich lohnt sich daher der Artikel von Glenn Riedmeier auf Quotenmeter.de mit vielen Gedanken zum Thema “Deutsches Kinderprogramm damals und heute”… und wer jetzt nicht genug bekommen kann, geht fix auf Youtube und schaut sich die ganzen fantastischen Zeichentrickserien-Intros an – waren das vielleicht Zeiten! “Das gab’s nur einmal, das kommt nie wieder…”
Marcus Off: “Disney sagt, Synchronisieren sei keine künstlerische Arbeit” – Auch der zweite Lesetipp kommt von Quotenmeter.de in Form eines sehr informativen Interviews zum aktuellen Fall zur neuen Stimme von Captain Jack Sparrow im vierten Teil der “Pirates of the Caribbean”-Saga. Sparrow-Stammsprecher Marcus Off wurde von Walt Disney Studios Germany dabei für den kommenden Teil kurzerhand durch David Nathan, dem deutschen “Ur”-Synchronsprecher von Johnny Depp aufgrund von “Unstimmigkeiten” ersetzt. Nathan macht wirklich einen fabelhaften Job und gehört absolut zu meinen Lieblingen im Bereich Synchronsprecher. Aber für Sparrow ist er meines Erachtens nach drei Teilen, in dem Off den deutschen Sparrow durch seine Sprechleistung massiv geprägt hat, einfach ungeeignet. Eine Welle der Entrüstung der Fans schiebt sich seitdem breit durchs Internet. Off äußert sich in diesem Quotenmeter-Interview äußerst offen zu diesem Fall. Eine große Online-Petition ist seit Dezember 2010 ebenfalls am Laufen, jedoch scheint dies recht vergebens zu sein, wenn man das aktuelle Statement auf der offiziellen deutschen Facebook-Seite von Disney Deutschland vernehmen kann:
Es ist korrekt, dass es zu PIRATES OF THE CARIBBEAN – FREMDE GEZEITEN keine neuerlichen Verhandlungen mit Marcus Off gegeben hat. Bei den Unstimmigkeiten handelt es sich um nachträgliche Forderungen von Herrn Off für die Teile 1-3. Seine Behauptung Disney habe die Meinung vertreten, dass das Synchronisieren eines Schauspielers keine künstlerische Arbeit sei und noch unter dem Niveau eines Nachrichtensprechers läge, trifft nicht zu. Richtig ist, dass Walt Disney Studios Motion Pictures Germany auf dem Standpunkt steht, dass Markus Off auch oder gerade unter Berücksichtigung des Erfolges von PIRATES OF THE CARIBBEAN Teil 1-3 angemessen vergütet worden ist. Da es sich um ein laufendes Gerichtsverfahren handelt, kann es dazu verständlicherweise keine weitere Auskunft geben.
Klappe zu, Affe tot?! Es ist äußerst schade, dass die Synchronarbeit von Off in “Pirates of the Caribbean” wohl so ein bitteres Ende nimmt.
Und wenn ihr diese beiden Artikel schön gelesen und euch wieder mal geärgert habt, warum soviel derzeit schief geht und ihr dringend euch nach besseren glanzvolleren Zeiten sehnt, dann schlaft schonmal vor für die anstehende Oscar-Nacht voller Stars und Sternchen – ab 2 Uhr Nachts auf ProSieben -, vielleicht werdet ihr hier gebührend entschädigt. Ich weiß noch nicht, ob ich so lange wach bleiben werde, aber ich sehe jetzt schon ausgezeichnete Spielzeuge und eine äußerst emotional berührte Portman auf dem imaginären Siegertreppchen mit einer goldenen Figur in der Hand stehen. Go, Natalie, go!
Nach dem sich mein Bericht über den grandiosen Coca-Cola-Werbespot mit den kleinen Gremlin ähnlichen Monstern nach dem Motto “Yeah Yeah Yeah, la la la” doch ziemlich großer Beliebtheit erfreut hat, fühle ich mich schon beinahe gezwungen, über die aktuelle, neu anlaufende o2-Kampagne zu berichten. Der Mobilfunkanbieter hat sich scheinbar gedacht “Was Cola kann, kann Handy auch!” und setzt in seiner neuen Werbeoffensive ganz auf kleine, pelzige Tierchen, die als “Monstertarife” ihre Benutzer ordentlich ärgern. Haben wir alles schon einmal irgendwie gesehen, oder? Hier klicken für den Werbespot, im folgenden Video gibt es ein kleines Making Of zur Monsterkampagne:
Scheinbar setzt man hier ganz auf den Erfolg anderer, kleiner Monster, die definitiv sympathischer waren und über einen weitaus höheren Kuschelfaktor besitzen. Im Großen und Ganzen wirkt die Kampagne wie eine zusammengewurstelte Idee aus den Cola-Monstern, den mit Geldbeuteln telefonierenden Menschen aus der 1&1-Werbung und den versteckten Lamas und anderen verschiedenen Belästigungen des Fonic-Spots. So bleibt mit diesem Hintergrundwissen ein mehr als nur äußerst fader Beigeschmack – Mehr Kreativität und Frische hätte o2 sicherlich mehr als gut getan.
Lange mussten “Gleeks” in Deutschland warten. Immer wieder hieß es, der Fernsehsender RTL wäre interessiert an den deutschen Rechten für die Musicalserie “Glee”, die fulminant in den USA aus dem Sender FOX startete und zu den erfolgreichsten Serienneustarts des letzten Jahres gehört. Nun ließ man gestern die Katze offiziell aus dem Sack, was nicht zuletzt eine große Überraschung beinhaltete: Der Familiensender Super RTL wird ab Januar 2011 “Glee” exklusiv in Deutschland zeigen. Das ist sicherlich für viele die mit Abstand spannenste Meldung, gehört “Glee” schließlich zu den großen neuen Serienhoffnungen für Deutschland.
Ob sich das Prinzip aus um High School-Eskapaden gespickte Musicalsongs in einem Showchor – genannt Glee Club – und Dramaelementen auch in Deutschland durchsetzen wird, bleibt offen. Man darf es jedenfalls stark hoffen, da “Glee” ein großes Unterhaltungspotential besitzt, den die Disney-Reihe “High School Musical” nur minimal ankratzt, während “Glee” dies nun auf sehr hohem Niveau letztendlich voll ausführt. Besondere Highlights sind beispielsweise die Themenfolgen zu bestimmten Künstlern, deren Songs perfekt in die Serie eingebettet sind. So gab es bereits neben Lady GaGa auch eine Madonna-Episode, eine Britney Spears-Folge inklusive kleiner Cameo von Frau Spears wird in der neuen Staffel zu sehen sein. Angeführt wird die Cast von wunderbaren Schauspielern wie Matthew Morrison als Glee Club-Leiter Will, Lea Michele als ehrgeizige Darstellerin Rachel und Jane Lynch als toughe und intrigante Cheerleader-Leiterin Sue.
Und für all die Leute, die sich immer noch nichts unter dem mehrfachen Emmygewinner vorstellen können, gibt es hier ein paar Einblicke in die Seriensensation “Glee”:
Ick freu mir! Ob auch in Deutschland so schöne Serienstart-Flashmobs wie in Spanien, Italien und den USA stattfinden werden…?
So, bevor ich mich mal wieder an einen heißen und schwülen Tag voller Studienarbeiten mache, gibt es vorher noch für euch das allerneueste Pralinchen für die Disneyfraktion: Auf dem amerikanischen Disney Channel wird derzeit schon fleißig für “Tangled” bzw. “Rapunzel” (ja, ich lasse diesen doofen Untertitel mit Absicht weg) promotet, schließlich hat am Sonntag der erste offizielle Trailer auf dem disney’schen Fernsehkanal Premiere. Man darf also endlich auf viele neue Ausschnitte gespannt sein – bis dahin bewirbt man diese Trailerpremiere mit einem 15-sekündigen Clip – seht selbst:
Freut euch auf den Trailer in voller Länge am Sonntag und genießt bis dahin noch ein wenig die Sonne, Folks!
Kurzer Einschub: Ich war gestern vor dem vielleicht besten TV-Abend des Jahres mit einer Freundin unterwegs und wir beide haben uns bei der Verabschiedung angeschaut, ritualmäßig die Daumen gedrückt und gesagt “Daumen drücken für Lena. 12 Points!”. Dass nun genau Lena das tatsächlich geschafft hat, scheint nun immer noch genauso unrealistisch wie heute Nacht um 2 Uhr, aber es ist einfach geil. So tituliert BILD.de heute ganz groß “Lena ist Europas neuer Superstar”, ProSieben und ARD ändern aufgrunddessen heute und morgen ihr gesamtes Programm und zeigen Lena-Specials und ihre große Ankunft mit der Sondermaschine aus Oslo in Hannover. Die Lena-Mania kennt nun wirklich keine Grenzen mehr und diejenigen, denen der Lenahype der deutschen Medien schon vor Tagen zuviel war, werden jetzt umso mehr starke Nerven haben müssen. Abgesehen von dem Hickhack um “Ich mag Lena” und “Lena ist doof” ist doch eigentlich nun wichtig: Deutschland darf nächstes Jahr den Eurovision Song Contest nach 28 Jahren wieder austragen. Unglaublich!
Das Große Finale
Dabei hat der Abend eigentlich noch sehr gemächlich angefangen: Um Punkt 21 Uhr nach dem vielleicht feschesten Wort zum Sonntag ever ging es in Oslo los mit dem obligatorischen Intro, das aus einer Zeit- und Europareise durch all die Austragungsstädte bestand, und dem genauso obligatorischen Auftritts des Siegers vom letzten Jahr in der Telenor Arena in Oslo. So spielte einmal mehr der sympathische Alexander Rybak seinen Rekordsiegertitel “Fairytale” und spielte auf seiner Violine, als ob es kein Morgen gäbe. Nach dem wundervollen Auftritt mit Lena bei der Oslo-Ausgabe von TV TOTAL hatte Rybak sicherlich einige Fans mehr. Und zack ging es nach dieser stimmungsvollen Performance auch schon los mit dem ersten Beitrag des diesjährigen Songcontests.
Da war sie schon: Lenas größte Konkurrentin Safura, 17 Jahre jung aus Aserbaidschan. Hier hat man – wie John Hammond aus “Jurassic Park” immer so schön sagte – “keine Kosten gescheut”: Der Song “Driebb Drohbb” “Drip Drop” kam aus Schweden, die Choreographie aus den USA und den effekthascherischen Vorhang Robe aus Italien. Gebracht hat es letztendlich nicht ganz so viel, wie eigentlich von Aserbaidschan angedacht. Die Performance war schrecklich unecht, der Song nervig und aufgeblasen. Sie wirbelte von einem Bühnenende zum anderen und drehte sich dabei energisch ganz mit viel Wind im Haar, während sie “Oh no, no no” ins Mikro hektizierte. Welch dahinplätschernder Auftritt ganz im Namen des Titels. Für mich war der Beitrag von Anfang an überbewertet und es ist schön, dass andere in Europa das wohl auch gefunden haben. Britische Wettbüros sahen Safura allesamt vor Lena, letztendlich hat es für Miss LED-Lights “nur” für Platz 5 gereicht – da halfen auch nicht die drohenden Handbewegungen Safuras.
Spanien war nun an der Reihe und setzte auf die verträumte Fairytale-Rybak-Welle: “Algo Pequenito” verströmte bestes Jahrmarktflair mit seinen Telekom-Zirkus-Püppchen (man beachte die pink-weißen Kostüme) und wirkte echt sympathisch. Und dann passierte etwas, was niemals für möglich gehalten hatte: Jimmy Jump – bekannt für seine ähnlichen Aktionen bei vielen WM-Spielen – saß plötzlich mitten auf der Bühne und übte sich in der Choreographie mit. Er wurde nach einigen Sekunden von der Bühne gejagt und in Gewahrsam genommen. Was für eine Sicherheitspanne! Fairerweise durfte Daniel Diges zum Schluss nochmals seinen Song zum Besten geben, was ihm aber keinen Vorteil verschaffte. Platz 15 für Spanien.
Nach dieser Sicherheitspanne durfte das Gastgeberland Norwegen seinen Titel verteidigen: Der Tenor Didrik Solli-Tangen schmetterte im edlen Anzug – stellenweise etwas unsicher – die große Kitschballade “My Heart is Yours” in die mit 18.000 Zuschauern besetzte Telenor-Arena. Im Vergleich zu Alexander Rybak war dieser Titel wiederum zu pompös und eintönig, um sich von anderen Konkurrenten abzuheben. Leider nur Platz 20 für Norwegen.
Oh weh, und da kam auch schon der erste Trashbeitrag des Contests: Moldawien wollte mit Sunstroke Project & Olia Tira hip und fesch sein. Herausgekommen ist mal wieder osteuropäischer Trash mit schrecklichem Wumms-Beat, nervigem Refrain und unpassenden Kostümen. Gebt Olia Tira ein paar Rollschuhe, sie könnte mühelos in “Starlight Express” auftreten! Und dann noch dieser Typ, als ob er aus den 80ern entsprungen wäre und seltsame Hüftbewegungen mit seinem Saxophon durchgeführt hat… interessant. Rang 22 für “Run Away” – Eurotrash aus Moldawien.
Zypern zeigte sich dieses Jahr von einer sehr soften Seite und schickte Jon Lilygreen und Band mit dem locker-leichten Popsong “Life Looks Better In Spring” ins Rennen. Sein verschmitztes Grinsen in die Kamera konnte nicht vom Song ablenken, den man schon gefühlte 1000x auf anderen Pop-Radiowellen in ähnlicher Form gehört hatte. Im Vergleich zu Euro-Dance ist der Titel wahrlich angenehm und wirklich schön, im Vergleich zu anderen Beiträgen fällt Lilygreen eher ab. Platz 21 für “Life Looks Better in Spring”.
Blitz und Donner gab es dann bei Bosnia-Herzegowina – Ich mochte “Thunder & Lightning” von Vukasin Brajic schon damals im Semi-Finale nicht. Der Titel klingt donnermäßig nach totalem Krach, Töne und Melodie sind absolute Fehlanzeige. Laut Urbans Kommentar wollte Brajic Lehrer, hat stattdessen aber die künstlerische Musikerlaufbahn eingeschlagen. Wäre er doch lieber Lehrer geworden. Sehr überflüssige Nummer, Platz 17 ist dafür noch viel zu gut.
Dann kam eines meiner Highlights: Tom Dice aus Belgien. Ach, ich fand ihn schon im Halbfinale wundervoll. Da steht er in bester Songwritertradition vor dem Mikro alleine auf der Bühne, singt wie James Morrison von sich und seiner Gitarre. Keine Kleidertricks, keine Pyroeffekte. Nur eine ehrliche Musiknummer, die ebenfalls überraschenderweise auch ganz Europa begeisterte. “Just me and my guitar”… da stand er nun, machte eine kurze Pause und fing an, auf seiner Gitarre Akkorde zu zupfen. Dieser Moment war effektvoller als alle Feuerwerksladungen zusammen, die wir an diesem Abend in so manch anderen Beiträgen gesehen haben. Absolut top! Zeitweise war Tom Dice auf dem zweiten Platz nach Lena, herausgekommen ist ein fabulöser 6. Platz, der in Belgien sicherlich für Begeisterung gesorgt hat.
Von ruhigen Gitarrenklängen zu Balkanbeats: Da war er wieder, das diesjährige Retortenmännchen Milan Stankovic mit einem platinblonden Ponyschnitt zum Fürchten. Zugegeben: Der Song war irgendwie so absurd, dass er schon wieder witzig war. Mit einer Mischung aus Folklore und Pop-Beats hüpfte Stankovic energisch auf der Bühne herum, begleitet von lebendigen und hüftenschwingenden Karstadt-Schaufensterpüppchen und irrwitzig herumhüpfenden Backgroundtänzern. Balkan, Balkan, Balkan – ovo je Balkan! Letztendlich dann Platz 13 für den androgynen Balkanheld mit einem verdammt schrecklichen Kleidungsgeschmack.
Direkt danach kam das wahre Grauen der diesjährigen Veranstaltung. Weißrussland. Fünf Künstler nennen sich “3+2″ (wie originell!) und präsentieren den Song “Butterflies”. Klingt nach Kitsch? Aber ja doch. Das “Il Divo”-Kopie-Grüppchen sang von Schmetterlingen, die zur Sonne fliegen… welch wunderhübsche bildhafte Sprache. Als ob diese klebrige Ballade noch nicht genug gewesen ist, setzt Weißrussland zum Finale des Song noch den berühmt-berüchtigten Kleidertrick ein. Die Sänger ziehen an Fäden und ZACK haben die weiblichen Sängerinnen plötzlich Schmetterlingsflügel. Das ist ja fast noch origineller als der Bandname! Kitsch und Klassik vereint machen aber noch keinen guten Beitrag aus, daher gab es für die Weißrussen nur den vorletzten Platz.
Etwas schade ist es für die Irin Niamh Kavanagh, die bereits 1993 schon den Grand Prix gewann. Die Ballade “It’s For You” wurde zwar wunderschön dargeboten, klang aber aufgrund der hohen Balladendichte im diesjährigen Contest austauschbar. Perfekt gesungen, aber letztendlich nur ein netter Auftritt ohne Höhepunkte. Platz 23 für Irland.
Hohe Handyklingeltöne, scharfe Synthesizer: Griechenland konnte sich über die ESC-Platzierungen der letzten Jahre kaum beklagen. So ist es nicht verwunderlich, dass Giorgios Alkaios und seine tanzwütigen Freunde (wer sind diese Friends eigentlich?) mit dem Folklore-Popsong “OPA!” dieses Jahr auf Platz 8 landeten. Wie üblich wurde nicht an verrückten tanzeinlagen Pyrotechnik gespart – ja, sogar die feschen Trommeln konnten Feuer speihen, ich bin beeindruckt . Und natürlich durfte der obligatorische Folklore-Instrumentalpart nicht fehlen. In der Telenor Arena in Oslo brachte Griechenland die Stimmung zum Kochen. Es war nicht überraschendes, aber auch kein Totalausfall – nur das Übliche aus Griechenland eben.
Großbritannien ging dieses Jahr unerklärliche Wege: Nach Jades großem Erfolg haben die BBC und die Briten doch tatsächlich gedacht, dass sie einen jungen Sänger namens Josh Dubovie ins Rennen schicken könnten, um einen ähnlichen Erfolg dieses Jahr zu feiern. Der größte Fehler war hier, einen Pete Waterman-Song in bester Tradition von Rick Astley und Kylie Minogue zu nehmen – absolut nicht mehr zeitgemäß und aalglatt. Dubovie versuchte krampfhaft das Beste aus der seichten Popnummer zu machen, scheiterte aber letztendlich dennoch. Die Treppenkonstruktion war zwar ganz schick, aber spätestens seit dem kläglichen Untergang der deutschen No Angels weiß man “Lange Stoffschleier ziehen nicht!”. Ich hatte schon in meinem Eurovision-Check eine schlechte Platzierung prognostiziert, und so ist es auch gestern Abend eingetreten – Irgendwie hat mir Dubovie ja schon fast Leid getan. 25ter und somit letzter Platz für Großbritannien.
Ein Lichtblick bildete Georgien dieses Jahr, die voll und ganz auf Folklore verzichteten und mit Sofia Nizaradzhe eine bildhübsche Musicaldarstellerin zum Song Contest schickten. Mit “Shine” machte sie ihrem Titel alle Ehre: Sie strahlte in einer feurig-roten Robe auf der Bühne, sang jeden Ton perfekt und tanzte noch ganz nebenbei gemeinsam mit den Tänzern die moderne Choreographie, die von dem Franzosen Redha erarbeitet wurde. Kein Wunder: Nizaradzhe spielte in Moskau in seinem Musical “Romeo & Julia” bereits die weibliche Hauptrolle. Tolle Stimme, großartige Performance auf hohem Niveau und mit viel Qualität. Platz 9 für Georgien – hätte von mir aus auch gerne besser abschneiden können.
Ebenfalls zu meinen Favoriten dieses Jahr gehörte die türkische Rockband maNga: “We Could Be The Same” hat ein geniales Mitklatsch-Intro, treibende Schlagzeugbeats und tolle DJ-Elemente. Dazu kommt noch die unglaublich eingängige Melodie, gesungen von Frontsänger Ferman Akgül mit recht soliden Vocals. Gut, der ganz in Silber, weibliche gehaltene Power Ranger im Hintergrund war vielleicht etwas zuviel des Guten, aber kreativ und stimmend war das Staging allemal. Schön, dass wir gerade von der Türkei in den letzten Jahren so viele interessante und schöne Beiträge zu sehen bekommen. Europa mochte die Rocknummer, daher Platz 2 für die Türkei.
Zu Albanien möchte ich eigentlich gar nicht viel sagen – es war der Beitrag, bei dem ich mir vorm TV eine Pause gegönnt hatte. Juliana Pashas “It’s All About You” ist auf die Dauer nervtötend. Der Bühnenauftritt war langweilig, die Frisur erinnerte sehr an frühere deutsche Fernsehmoderatorinnen und der leicht asiatische Hosenanzug völlig unpassend. Die Beats hetzen in bester Ralph Siegel-Manier nur so durch den Song und hauen metaphorisch die letzten Überbleibsel von Melodie vollends kaputt. Platz 16 für Albanien.
Im Vorfeld war die Isländerin Hera Björk nach ihrem fulminaten Auftritt im Semi-Finale ganz weit oben in der Scoreliste geschätzt worden, letztendlich reichte es dann doch nur auf Platz 19. “Je ne sais quoi” ist die typische Eurovision-Dancehymne: Zweisprachig, tanzbar, gesangsstark. Dass Hera Björk dann noch aufgrund ihres Bühnenoutfits noch eine erschreckende Ähnlichkeit mit der Prinzessin Kleinröschen aus dem Kultmärchen “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” hatte, halte ich aber für reinen Zufall Think big hat dann für Island doch nicht ganz gereicht, daher Platz 19.
Geballte Mönchskuttenpower gab es dieses Jahr von der Ukraine: Alyosha rockte mit “Sweet People” die Halle und überzeugte zwar mit lauter, starker Stimme, jedoch ist der Song völlig frei von Highlights. An ihrer Bühnenpräsenz sollte sie vielleicht noch etwas feilen, so wirkte sie teilweise sehr alleingelassen auf dieser übergroßen Bühne. Platz 10 ist daher schon zu gut für diesen Beitrag inklusive Fetzenkostüm.
Für vorzeitiges WM-Feeling sorgte Jessy Matador aus Frankreich. Welch geschickter Coup, den offiziellen, französischen WM-Song zum ESC zu schicken! Die Performance hat einfach gute Laune verbreitet und überzeugte durch fetzige Dancemoves und klasse Sommerfeeling. Vielleicht nicht sonderlich anspruchsvoll, aber das muss ein Sommersong auch nicht sein. “Allez, Ola, Ole” war für mich der Partyhit des diesjährigen Song Contests, daher bin ich über Platz 12 ein wenig enttäuscht.
Feurig wurde es bei Paula Seling & Ovi, dem rumänischen ESC-Act 2010 – Man nehme ein Piano, lässt sie einen musikalischen Geschlechterkampf austragen und drumherum viele Feuerfontänen sprühen. Et Voilá: Fertig ist der Beitrag. Der Song ist zwar kein Meisterwerk, aber durchaus dank des “catchigen” Refrains anhörlich. Schrecklich war nur der hundsenge Latexanzug, der wie ein Catwoman-Kostüm vom letzten Halloween aussah. Nee, das musste nicht sein. Überraschenderweise landete Rumänien somit auf dem dritten Platz. Überbewertet? Mag sein. Es könnte aber auch schlimmeres geben.
Danach wurde es ganz ordentlich traurig: Die Kneipenhymne “Lost & Forgotten” von Peter Nalitch und seiner Band war unspektakulär und setzte ganz auf Druck auf die Tränendrüse durch trauriges Gejammer und niedergeschlagenem Gesichtsausdruck. Wie ich schon bereits beim Teilnehmer-Check schrieb: Es passt perfekt zu den armen Tropfen in der Bar, die über ihrem vierten Glas Bier sinnieren und nachdenken, was in ihrem Leben alles so falsch gelaufen ist. Wo ist die Kleenex-Box, wenn man sie mal braucht?! Dass diese Nummer nicht vergessen wurde, beweist die Endplatzierung Russlands: Platz 11.
Zweite weibliche Favoritin und gleichzeitig auch Konkurrentin für Lena nach Safura war die hübsche Armenierin Eva Rivas, deren Dekoletée vielleicht ein bisschen zu sehr gepusht und ihre wallende Haarpracht zu sehr verlängert wurde. Und wer kam eigentlich auf die verrückte Idee mit den blauen Kontaktlinsen? Mindestens genauso unpassend war das Staging von armeniens Song “Apricot Stone”: Irgendwelche älteren Armenier machen einen auf Dorfbrunnen – das mag vielleicht traditionell sein, passt aber meines Erachtens überhaupt nicht zu der aufgedonnerten Sexyness von Eva Rivas. Aber: Der Ethno-Popsong war gut und catchy, vielleicht etwas zuviel Pyrotechnik, aber ganz gut. Platz 7 fürArmenien.
Nun ging’s um’s Ganze: Der mit Spannung erwartete Auftritt von Lena war soweit und viele Wohnzimmer in Deutschland fieberten sicherlich nervös den ersten Tönen von “Satellite” entgegen. Und was soll ich noch dazu sagen: Es war einfach bombig. Lena lieferte gestern Abend den besten Auftritt von “Satellite” bisher ab und spielte souverän mit koketten Blicken mit den Kameras. Die Stimmung im Saal kochte bereits, als die ersten Beats erklangen und Lena wieder zu ihrem Persönlichkeitstänzchen ansetzte. Grandios! Stimmlich kann man sich durchaus streiten, genauso wie um ihren seltsamen Akzent. Dass Lena trotz dieser kleinen Streitigkeiten nun ganz Europa beeindruckt hat, zeigt, dass es im ESC eben auch um andere Dinge geht. “Satellite” ist verdammt catch, modern und lief im Contest wirklich außer Konkurrenz. Bravo Lena, damit hat Deutschland verdient nach 28 Jahren gewonnen! Unglaublich…
Richtig schwer hatte es die Portugiesin Filipa Azevedo nach dieser Vorlage: Die Ballade “Ha Dias Assim” war zwar nett, klang aber ein bisschen zu sehr nach einem Mariah Carey-Christina Aguilera-Mashup. Sympathisch versuchte sie die Zuschauer zuhause mit ihren verträumten Blicken in die Kamera zu bezirzen. Das konnte man als Schadenbegrenzung werten, da Azevedo bei den höheren Tönen so dermaßen angestrengt das Gesicht verzog, dass es schon wirklich nicht mehr schön aussah. Platz 18 für Portugal.
Israel gehörte dieses Jahr ebenfalls zu den Favoriten und enttäuschte leider bei der Endplatzierung im Contest mit Platz 14. Gab es zuviele Balladen, lag es an der Platzierung? Ich weiß es nicht, jedenfalls finde ich es für Harel Skaat mit seiner melancholischen Ballade “Milim” doch verdammt schade. Tolle Stimme voller Emotionen, intimer Auftritt – mich hat “Milim” live sehr berührt.
Schon waren wir beim letzten Beitrag angelangt: Chanée & N’Evergreen haben durchaus den Copycat-Award 2010 verdient. Der dänische Beitrag “A Moment Like This” klang verdammt nach ABBA, Shania Twain, Sting und Tina Turner. Für den Eurovision-Klassiker-Fan war die Nummer sicherlich fulminant mit vielen Pyroeffekte. Aber das reicht eben nicht immer. Daher gab es Platz 4 für die Dänen.
Die Übergangszeit zwischen Televoting-Auszählung und Punktevergabe war dagegen absolut genial: Oslo inszenierte das europaweiten Flash Mob Dance – in Aufzeichnungen und Live-Übertragungen brachte man hier alle teilnehmenden Länder zusammen in einem Megamix von Madcons neuem Song “Glow”. Dieses Wir-Gefühl, das inszeniert wurde, ist wahrhaft gigantisch. Da kann kein Cirque de Soleil mithalten – das war ehrlich, einfach und doch groß. Europa tanzt. Großartige Idee, großartig umgesetzt.
Die Punktevergabe war dagegen für Deutschland ein echter Krimi: Bangend saßen sicherlich Massen von Menschen vor den Fernsehern und hofften auf eine gute Platzierung Lenas. Hape Kerkelings Punktevergabe von der Hambrurger Reeperbahn war dagegen wirklich grandios. Besonders Hapes “Oh Oh”-Einstimmung auf den hinter ihm gröhlenden Chor von Menschenmassen war einfach klasse. So locker-flockig muss Grand Prix sein. Als die erste 100 Punkte-Marke für Deutschland geknackt wurde, dachte ich “Mensch, die wird doch wohl nicht…?!”. Und ehe ich es erfasste, hatte Lena sogar schon die 200-Marke geknackt. Als dann noch ein hörbar nervöser Peter Urban murmelte “Wir sind uneinholbar” war die Stimmung perfekt. Kurz nach Mitternacht war es dann offiziell: Lena hat mit “Satellite” den diesjährigen Eurovision Sing Contest in Oslo. Dieser Abend wird in die in die Musikgeschichte eingehen. Deutschland wird künftig sicherlich nicht mehr pausenlos mit “Ein Bisschen Frieden” assoziiert werden, sondern mit dem deutschen Fräulein Wunder Lena und ihrem poppigen Hit “Satellite”. YES!
Nun heißt es: Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland
Danke Lena, Danke Stefan Raab! Es ist der absolute Wahnsinn!
Erfolgreich war der ESC in Deutschland aber auch aus Sicht der ARD: 14,69 Millionen schalteten gestern Abend ein, um mit Lena mitzufiebern – das ist mit fast 50% Marktanteil glattes Fußball-WM-Niveau. Eine bessere Quote erzielte der Eurovision Song Contest nur im Jahr 1980. “Unser Star für Oslo” und die Kooperation mit Raab und ARD haben also mehr als ihr Ziel geschafft: Deutschland wurde wieder für den Grand Prix sensibilisiert. Um 0:10 waren es sogar unglaubliche 20 Millionen Menschen vor den deutschen Fernsehern, die Lenas unglaublichen Sieg miterlebten. Ein wahrer Erfolg!
Wie geht es nun weiter
Eigentlich hätte ich an dieser Stelle wie im letzten Jahr wieder geschrieben “Das war mein letzter Beitrag zum diesjährigen Song Contest. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder mit dem ESC aus der europäischen Stadt XY”. Nun ist alles anders: Lena hat gewonnen, Deutschland hat gewonnen, somit wird der nächste Eurovision Song Contest nicht neben kalten Fjorden oder etwas in anderen osteuropäischen Hauptstädten stattfinden, sondern bei uns in Deutschland.
Die große Preisfrage ist derzeit: Wo wird nächstes Jahr die größte musikalische TV-Show der Welt in deutschen Gefilden stattfinden? Laut NDR hat Deutschland viele schöne Städte, der Austragungsort stehe daher noch nicht fest. Heiße Favoriten sind laut Eurovision.de Hamburg, Hannover, Berlin und Köln. Ich tippe dabei sehr schwer auf Hamburg als Zentralstadt des Norddeutschen Rundfunks oder unsere Hauptstadt Berlin.
Weitere Details wird es wohl dazu in den kommenden Tagen geben, wie bereits mehrfach im Vorfeld angekündigt wurde. Am Montag gibt es um 12 Uhr eine Pressekonferenz mit Raab, Lena und anderen Verantwortlichen des NDR und der ARD anwesend sein werden. Vielleicht bringt das ein wenig Licht ins Städtedunkel. Wo kann man Tickets kaufen?? Egal wo, ich will nächstes Jahr verdammt nochmal dabei sein! Und dann bitte Hape Kerkeling als Moderator, jawoll!
Laut Stefan Raab könnte nächstes Jahr Lena tatsächlich nochmals für Deutschland antreten – ganz nach dem Motto “Never change a winning team”. Nur ein Scherz? Man weiß es noch nicht. Ich würde das zwar etwas schade finden, weil das vielleicht nicht ganz so abwechslungreich wie ein neuer Künstler über die Show “Unser Star für XY” wäre. Schlecht wäre diese Entscheidung nach diesem fulminaten Sieg aber sicherlich nicht.
Meine ESC-Reihe zum Contest in Oslo endet nach Wochen vor Spaß und Spannung rund um die ESC-Events – die Zukunft beginnt aber glücklicherweise schon morgen mit der angekündigten Pressekonferenz, wenn es heißt: Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland.
Update: Auch wenn der Austragungsort noch nicht feststeht, wurden jeweils die Termine für den Song Contest 2011 bekannt gegeben. Also Kalender suchen und folgende Termine notieren:
Die beiden Semi-Finals finden jeweils am 17. und 19 Mai statt. Das große Finale wird dann am 21. Mai 2011 in Deutschland zelebriert
Was für ein Abend: Ich sitze gerade immer noch völlig baff vor dem PC und kann es gar nicht richtig fassen. Vor Wochen hatte ich gepostet, warum Lena tatsächlich gewinnen könnte – und sie hat es getan! So spannend und unterhaltsam war der ESC schon lange nicht mehr – dank Lena. Mit unglaublichen 246 Punkten hat die 19-jährige Hannoverin sich nicht nur kürzester Zeit in die deutschen Herzen, sondern auch in die Herzen von (so ziemlich) ganz Europa gesungen. Es hat nicht Fräulein Driebb Drobb aus Aserbaidschan gewonnen, kein serbisch-androgynes Retortenmännchen, keine armenischen Aprikosenkerne. Nur Lena mit ihrem kleinen Schwarzen, schwarzer Strumpfhose und schwarzen Pumps. Und natürlich mit einem wundervollen, modernen Popsong wie “Satellite” im Gepäck.
DAS WAR DER KRACHER.
Hier sind Lenas erste Äußerungen und Reaktionen zum überwältigenden Sieg:
Lena hat – Akzent und Stimme hin oder her – einen fabelhaften Auftritt in Oslo mit viel Charme und Esprit hingelegt. Zudem war durch die vielen Balladen und massigen 08/15-Popnummern “Satellite” im Sound schon ziemlich “unique”. Und: Es hat sich wieder gezeigt, dass “Unser Star für Oslo” und die Kooperation mit Stefan Raab für die ARD das mit Abstand Beste war, was dem Sender je hätte passieren können. Ich bin mir seit heute Nacht sicher, dass da nicht nur nächstes Jahr “Ein Star für Berlin(?)” gesucht wird, sondern künftig jedes Jahr sogar ganz viele Stars. Hallelujah, das hat Deutschland im ganzen DSDS-Schmarrn einfach gebraucht!
Diese schon beinahe historische Nacht zelebriere ich einfach nochmal mit der Siegerperformance von Lena – “Love, oh Love…” Da hatte ich ungelogen die Hände über den Kopf geschlagen und ein wenig Wasser in den Augen…
Mitsingen, Fähnchen schwenken, mitjubeln und sich auf nächstes Jahr freuen, wenn es nach ganzen 28(!) Jahren heißt: Eurovision Song Contest 2011 in Germany!
Damit verabschiede ich mich für heute von euch und mache mich immer noch völlig fassungslos auf die Socken – einen vollständigen Bericht über den grenzgenialen Contest wird es im Laufe des heutigen Tages an dieser Stelle dann geben. “Baby, baby, baby…”
Danke Lena für diesen Abend, danke Stefan Raab für die mit Abstand beste Castingshow der letzten Jahre! …und natürlich für diesen grandiosen Sieg!
Heute Abend wird es für 17 weitere Nationen spannend: Das zweite Semi-Finale des Eurovision Song Contests in Oslo steht an und jetzt geht es um die Wurst. Leider darf Deutschland heute Abend nicht abstimmen, wer nun ins große Finale am Samstag kommen wird. Um nun meine ESC 2010-Reihe zu komplettieren, gibt es nun heute die restlichen Teilnehmer des heutigen zweiten Halbfinales im Check. Also Boxen an, zurücklehnen und los geht es!
Litauen: InCulto – Eastern European Funk
Get up and dance! Dieser litauische Beitrag ist irgendwie ganz cool und versprüht ein ziemliches Retroflair. Ich persönlich finde es ziemlich gewagt, Acappella-Gruppen zum ESC zu schicken, da diese Musikart schon fast nur einen bestimmten Nischenmarkt anspricht. Mir gefällt der recht unterhaltsame Beitrag irgendwie, der Refrain ist sehr eingängig und merkt InCulto an, dass sie die ganze Veranstaltung nicht ganz so bierernst nehmen wie manch andere Nachbarländer. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass es nicht für das Finale reichen könnte – wäre schade, aber den Rang für den Acapella-Sieger der Herzen wäre ihnen sicher.
Schweiz: Michael von der Heide – Il Pleut De L’Or
Die Schweiz trällert beim diesjährigen Song Contest mal wieder auf französisch und singt vom Goldregen. Von der Heide, der bereits vor ettlichen Jahren mal im deutschen Vorentscheid für den ESC herumgewuselt ist, wirkt zu glatt, um dem einfältigen Song das gewisse, herausragende Etwas zu verleihen. Es wirkt wie eine 08/15-Radionummer, die nebenher mal im Hintergrund dudelt und bleibt einfach nicht im Gedächtnis haften – Höhepunkte gibt es kaum (wie merkwürdigerweise bei sovielen anderen ESC-Songs in diesem Jahr!). Die Schweiz wird sich heute Abend neben Safura, maNga und Co. sicherlich warm anziehen und auf ein kleines Wunder (in Form eines Goldregens?) hoffen müssen.
Slovenien: Ansambel Žlindra & Kalamari – Narodnozabavni Rock
Oh weh, wieder ein sehr sehr sehr sehr volkstümlicher Beitrag aus dem Osten. Was für ein abgefreakter Beitrag! Zugegeben: Es ist schon sehr mutig, Volksmusik und Poprock in einem Song zu mischen und dadurch Stilwechsel binnen wenigen Sekunden durchzuführen. So fühlt man sich teuflisch hin- und hergerissen zwischen Volksmusik Marke Florian Silbereisen und Schlagerrock à la Musikantenstadl mit Andy Borg. Beides ist unsäglich unerträglich – und so ist es leider auch der slovenische Beitrag mit einer slovenischen, züchtig angezogenen “Heidi” und einem Wolfgang Petry-Rocksänger. Wir haben im ersten Semi-Finale gesehen, dass Volksmusik am Beispiel der Finnen dieses Jahr nicht zieht. Das Finale für Slovenien ist meiner Meinung nach daher schon recht utopisch. Aber jetzt habe ich unerklärlicherweise richtig Lust auf Calamares… seltsam.
Kroatien: Feminnem – Lako Je Sve
“Lako Je Sve” der kroatischen Girlgroup Eminem Feminnem klingt recht hübsch: Die drei Damen verfügen über sehr kraftvolle Stimmen, die diese Ballade im westlichen Stil ziemlich gut tragen und wirkliche Akzente setzen. Sehr interessant ist die Entwicklung des Songs, der erst sehr ruhig beginnt, dann sich – leider – an Beyoncés “Halo”-Beats bedient und danach von sattem Gitarrenrock begleitet wird. Natürlich darf bei einer sehr weiblichen Osteuropa-Nummer nicht der Tüll und Pomp in den Outfits fehlen, so dass die Nummer optisch zu stark diesen gewissen Tussi-Faktor hat und die drei Grazien vielleicht dadurch etwas abgehobener wirken, als sie es ohne hin schon tun. Abgesehen von den stofflichen und persönlichen Perspektiven ist jedoch “Lako Je Sve” eine recht nette Popballade, die es locker ins Finale schaffen könnte.
Zypern: Jon Lilygreen & The Islanders – Life Looks Better In Spring
Zyperns Titel klingt dieses Jahr so, als ob er aus Irland oder Großbritannien stammen könnte. Jon Lilygreen und seine Leute von der Insel reihen sich mit dem Gitarrenrocksong “Life Looks Better In Spring” direkt in die Reihe der diesjährigen Songwriterecke mit Tom Dice und Anna Bergendahl. Dementsprechend hat der Zypernbeitrag auch viel Konkurrenz, sollte er es mit Schweden ins Finale schaffen. Die Nummer ist nicht unbedingt jetzt etwas, was ich dauerhaft auf “Repeat” stellen würde, aber der leidenschaftlich gesungene Refrain mit schicker handgemachter Musik gefällt beim ersten Hören durchaus.
Bulgarien: Miro – Angel Si Ti
Der bulgarische Beitrag fängt sanft und sehr hoffnungsvoll an (das Piano klingt verdammt nach dem 90er-Hit “Children” von Robert Miles), verkommt aber spätestens ab dem Einsatz der stampfenden Haudrauf-Beats, die Eurovision-Hardcore-Fans von den letzten Jahren mehr als nur gewohnt sind. Man hört weiter, mit der Hoffnung: “Da kommt doch noch was”. Und: Zack! Schon ist der Song auch wieder ganz plötzlich aus. Einfach so. Ich mag solche Songs einfach nicht. Auch wenn Miro schon der passende Sänger für einen solchen Titel ist, aber es ist mal wieder das Lied selbst, dass sich beim Hören durch gering qualitative Komposition schon beinahe “Mission: Impossible”-like selbst zerstört. Irgendwie beschleicht mich das böse Gefühl, dass der Kitsch aus dem Videoclip uns auch auf der ESC-Bühne in Oslo “entgegenspringen” wird…
Irland: Niamh Kavanagh – It’s For You
Niamh Kavanagh hat bereits schon den Eurovision Song Contest 1993 für Irland gewonnen und nach vielen Auftritten will sie es scheinbar noch mal wissen. Mit “It’s For You” wird ihr ein zweiter Sieg möglicherweise nicht noch einmal gelingen. Stilistisch klingt der Titel fast genauso wie der diesjährige Beitrag aus Norwegen, nur weniger klebrig als Didrik Tolli-Tangens Übertheatralik. Irgendwie nicht mein Fall, da zu sehr “Contemporary Adult”-Musik. Mal sehen, wie er heute Abend abschneiden wird.
Das war nun der letzte Teil meines Eurovision-Checks – wer nun auf die Auftritte und die ganzen Stagings gespannt ist: Ab 21 Uhr gibt es das heutige Semi-Finale als Live-Stream unter der offiziellen Seite des Eurovision Song Contests unter eurovision.tv online zum anschauen. Oder besser: Auf Eurovision.de gibt’s die deutsche Version mit Kommentar von Peter Urban. Lohnt sich sicherlich! Ansonsten: Bis Samstag freuen auf Lena, Peter Urban und natürlich Hape Kerkeling, der dieses Jahr sowohl das Oberhaupt der deutschen Jury ist als auch die deutschen Punkte live aus Hamburg verkünden wird. Für ihn geht damit ein großer Traum in Erfüllung den er damals in den 80ern schon in seinen Sketchen ausgelebt hat:
Bei diesem Feuerwerk würde man sich gleich doppelt wünschen, dass Lena gewinnt! In diesem Sinne: Twalf Pünts, Punktsen, äh… Pjuääh.
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