Na das nenne ich mal einen gelungenen Gag: Über die offizielle Facebook-Seite von den Walt Disney Studios Deutschland gratuliert auch Disney in Form der “Little Green Men” aus Toy Story 3 zu Lena Meyer-Landruts großartigem Sieg beim Eurovision Song Contest für Deutschland. Lena-Löckchen inklusive. Was für eine süße und ungewöhnliche Idee! Bitte mehr davon… und bitte weniger von den schlechten und unnötigen Filmtiteln.
Unverhofft kommt oft: Irgendwie bin ich noch völlig im Toy Story-Fieber nach den wunderbaren 3D-Vorführungen und Pixar-Events beim Internationalen Trickfilmfestival in Stuttgart. Die ganzen Trailer und Featurettes rund um den kommenden dritten Teil der “Toy Story”-Reihe machen noch mehr Lust auf den Film rund um Woody & Co. Da schau ich heute doch völlig desinteressiert in mein Postfach und was sehe ich da? Eine E-Mail mit dem Betreff: “Eine Benachrichtigung von Amazon.de”. “Komisch”, dachte ich, “bestellt haste nichts, zurückgeschickt auch nichts. Was wollen die dann!?”. Good News: Ich habe doch tatsächlich Kinokarten für die exklusive Preview von “Toy Story 3″ in 3D im CinemaxX am 20. Juni gewonnen. Wheeeee! 2 Tage nach US-Kinostart und über einen Monat vor dem offiziellen Deutschlandstart am 29. Juli! Ich hatte irgendwann mal im März/April auf Amazon.de bei einem Gewinnspiel mitgemacht, aber die Teilnahme mittlerweile durch den ganzen Stress völlig vergessen. Mensch, was bin ich gespannt auf den Film – und ganz besonders auf die neuen Synchronsprecher! Ich werde selbstverständlich an dieser Stelle berichten. Danke Amazon!
So, danke für den Hinweis @Scouty: Es ist leider doch “NUR” der erste Teil in 3D. Sehr sehr schade, da ich “Toy Story” bereits in Originalversion auf dem Trickfilmfestival bestaunt habe. Manno, eine Preview wäre mir lieber gewesen. Kommt davon, wenn man sich nicht mehr erinnern kann, wo man eigentlich mitgemacht hat. Naja, freue ich mich trotzdem auf Ende Juli.
Zur Einstimmung gibt’s erstmal ein neues Videoschmankerl mit Ken – “Ready for fashion and fun”:
Kurzer Einschub: Ich war gestern vor dem vielleicht besten TV-Abend des Jahres mit einer Freundin unterwegs und wir beide haben uns bei der Verabschiedung angeschaut, ritualmäßig die Daumen gedrückt und gesagt “Daumen drücken für Lena. 12 Points!”. Dass nun genau Lena das tatsächlich geschafft hat, scheint nun immer noch genauso unrealistisch wie heute Nacht um 2 Uhr, aber es ist einfach geil. So tituliert BILD.de heute ganz groß “Lena ist Europas neuer Superstar”, ProSieben und ARD ändern aufgrunddessen heute und morgen ihr gesamtes Programm und zeigen Lena-Specials und ihre große Ankunft mit der Sondermaschine aus Oslo in Hannover. Die Lena-Mania kennt nun wirklich keine Grenzen mehr und diejenigen, denen der Lenahype der deutschen Medien schon vor Tagen zuviel war, werden jetzt umso mehr starke Nerven haben müssen. Abgesehen von dem Hickhack um “Ich mag Lena” und “Lena ist doof” ist doch eigentlich nun wichtig: Deutschland darf nächstes Jahr den Eurovision Song Contest nach 28 Jahren wieder austragen. Unglaublich!
Das Große Finale
Dabei hat der Abend eigentlich noch sehr gemächlich angefangen: Um Punkt 21 Uhr nach dem vielleicht feschesten Wort zum Sonntag ever ging es in Oslo los mit dem obligatorischen Intro, das aus einer Zeit- und Europareise durch all die Austragungsstädte bestand, und dem genauso obligatorischen Auftritts des Siegers vom letzten Jahr in der Telenor Arena in Oslo. So spielte einmal mehr der sympathische Alexander Rybak seinen Rekordsiegertitel “Fairytale” und spielte auf seiner Violine, als ob es kein Morgen gäbe. Nach dem wundervollen Auftritt mit Lena bei der Oslo-Ausgabe von TV TOTAL hatte Rybak sicherlich einige Fans mehr. Und zack ging es nach dieser stimmungsvollen Performance auch schon los mit dem ersten Beitrag des diesjährigen Songcontests.
Da war sie schon: Lenas größte Konkurrentin Safura, 17 Jahre jung aus Aserbaidschan. Hier hat man – wie John Hammond aus “Jurassic Park” immer so schön sagte – “keine Kosten gescheut”: Der Song “Driebb Drohbb” “Drip Drop” kam aus Schweden, die Choreographie aus den USA und den effekthascherischen Vorhang Robe aus Italien. Gebracht hat es letztendlich nicht ganz so viel, wie eigentlich von Aserbaidschan angedacht. Die Performance war schrecklich unecht, der Song nervig und aufgeblasen. Sie wirbelte von einem Bühnenende zum anderen und drehte sich dabei energisch ganz mit viel Wind im Haar, während sie “Oh no, no no” ins Mikro hektizierte. Welch dahinplätschernder Auftritt ganz im Namen des Titels. Für mich war der Beitrag von Anfang an überbewertet und es ist schön, dass andere in Europa das wohl auch gefunden haben. Britische Wettbüros sahen Safura allesamt vor Lena, letztendlich hat es für Miss LED-Lights “nur” für Platz 5 gereicht – da halfen auch nicht die drohenden Handbewegungen Safuras.
Spanien war nun an der Reihe und setzte auf die verträumte Fairytale-Rybak-Welle: “Algo Pequenito” verströmte bestes Jahrmarktflair mit seinen Telekom-Zirkus-Püppchen (man beachte die pink-weißen Kostüme) und wirkte echt sympathisch. Und dann passierte etwas, was niemals für möglich gehalten hatte: Jimmy Jump – bekannt für seine ähnlichen Aktionen bei vielen WM-Spielen – saß plötzlich mitten auf der Bühne und übte sich in der Choreographie mit. Er wurde nach einigen Sekunden von der Bühne gejagt und in Gewahrsam genommen. Was für eine Sicherheitspanne! Fairerweise durfte Daniel Diges zum Schluss nochmals seinen Song zum Besten geben, was ihm aber keinen Vorteil verschaffte. Platz 15 für Spanien.
Nach dieser Sicherheitspanne durfte das Gastgeberland Norwegen seinen Titel verteidigen: Der Tenor Didrik Solli-Tangen schmetterte im edlen Anzug – stellenweise etwas unsicher – die große Kitschballade “My Heart is Yours” in die mit 18.000 Zuschauern besetzte Telenor-Arena. Im Vergleich zu Alexander Rybak war dieser Titel wiederum zu pompös und eintönig, um sich von anderen Konkurrenten abzuheben. Leider nur Platz 20 für Norwegen.
Oh weh, und da kam auch schon der erste Trashbeitrag des Contests: Moldawien wollte mit Sunstroke Project & Olia Tira hip und fesch sein. Herausgekommen ist mal wieder osteuropäischer Trash mit schrecklichem Wumms-Beat, nervigem Refrain und unpassenden Kostümen. Gebt Olia Tira ein paar Rollschuhe, sie könnte mühelos in “Starlight Express” auftreten! Und dann noch dieser Typ, als ob er aus den 80ern entsprungen wäre und seltsame Hüftbewegungen mit seinem Saxophon durchgeführt hat… interessant. Rang 22 für “Run Away” – Eurotrash aus Moldawien.
Zypern zeigte sich dieses Jahr von einer sehr soften Seite und schickte Jon Lilygreen und Band mit dem locker-leichten Popsong “Life Looks Better In Spring” ins Rennen. Sein verschmitztes Grinsen in die Kamera konnte nicht vom Song ablenken, den man schon gefühlte 1000x auf anderen Pop-Radiowellen in ähnlicher Form gehört hatte. Im Vergleich zu Euro-Dance ist der Titel wahrlich angenehm und wirklich schön, im Vergleich zu anderen Beiträgen fällt Lilygreen eher ab. Platz 21 für “Life Looks Better in Spring”.
Blitz und Donner gab es dann bei Bosnia-Herzegowina – Ich mochte “Thunder & Lightning” von Vukasin Brajic schon damals im Semi-Finale nicht. Der Titel klingt donnermäßig nach totalem Krach, Töne und Melodie sind absolute Fehlanzeige. Laut Urbans Kommentar wollte Brajic Lehrer, hat stattdessen aber die künstlerische Musikerlaufbahn eingeschlagen. Wäre er doch lieber Lehrer geworden. Sehr überflüssige Nummer, Platz 17 ist dafür noch viel zu gut.
Dann kam eines meiner Highlights: Tom Dice aus Belgien. Ach, ich fand ihn schon im Halbfinale wundervoll. Da steht er in bester Songwritertradition vor dem Mikro alleine auf der Bühne, singt wie James Morrison von sich und seiner Gitarre. Keine Kleidertricks, keine Pyroeffekte. Nur eine ehrliche Musiknummer, die ebenfalls überraschenderweise auch ganz Europa begeisterte. “Just me and my guitar”… da stand er nun, machte eine kurze Pause und fing an, auf seiner Gitarre Akkorde zu zupfen. Dieser Moment war effektvoller als alle Feuerwerksladungen zusammen, die wir an diesem Abend in so manch anderen Beiträgen gesehen haben. Absolut top! Zeitweise war Tom Dice auf dem zweiten Platz nach Lena, herausgekommen ist ein fabulöser 6. Platz, der in Belgien sicherlich für Begeisterung gesorgt hat.
Von ruhigen Gitarrenklängen zu Balkanbeats: Da war er wieder, das diesjährige Retortenmännchen Milan Stankovic mit einem platinblonden Ponyschnitt zum Fürchten. Zugegeben: Der Song war irgendwie so absurd, dass er schon wieder witzig war. Mit einer Mischung aus Folklore und Pop-Beats hüpfte Stankovic energisch auf der Bühne herum, begleitet von lebendigen und hüftenschwingenden Karstadt-Schaufensterpüppchen und irrwitzig herumhüpfenden Backgroundtänzern. Balkan, Balkan, Balkan – ovo je Balkan! Letztendlich dann Platz 13 für den androgynen Balkanheld mit einem verdammt schrecklichen Kleidungsgeschmack.
Direkt danach kam das wahre Grauen der diesjährigen Veranstaltung. Weißrussland. Fünf Künstler nennen sich “3+2″ (wie originell!) und präsentieren den Song “Butterflies”. Klingt nach Kitsch? Aber ja doch. Das “Il Divo”-Kopie-Grüppchen sang von Schmetterlingen, die zur Sonne fliegen… welch wunderhübsche bildhafte Sprache. Als ob diese klebrige Ballade noch nicht genug gewesen ist, setzt Weißrussland zum Finale des Song noch den berühmt-berüchtigten Kleidertrick ein. Die Sänger ziehen an Fäden und ZACK haben die weiblichen Sängerinnen plötzlich Schmetterlingsflügel. Das ist ja fast noch origineller als der Bandname! Kitsch und Klassik vereint machen aber noch keinen guten Beitrag aus, daher gab es für die Weißrussen nur den vorletzten Platz.
Etwas schade ist es für die Irin Niamh Kavanagh, die bereits 1993 schon den Grand Prix gewann. Die Ballade “It’s For You” wurde zwar wunderschön dargeboten, klang aber aufgrund der hohen Balladendichte im diesjährigen Contest austauschbar. Perfekt gesungen, aber letztendlich nur ein netter Auftritt ohne Höhepunkte. Platz 23 für Irland.
Hohe Handyklingeltöne, scharfe Synthesizer: Griechenland konnte sich über die ESC-Platzierungen der letzten Jahre kaum beklagen. So ist es nicht verwunderlich, dass Giorgios Alkaios und seine tanzwütigen Freunde (wer sind diese Friends eigentlich?) mit dem Folklore-Popsong “OPA!” dieses Jahr auf Platz 8 landeten. Wie üblich wurde nicht an verrückten tanzeinlagen Pyrotechnik gespart – ja, sogar die feschen Trommeln konnten Feuer speihen, ich bin beeindruckt . Und natürlich durfte der obligatorische Folklore-Instrumentalpart nicht fehlen. In der Telenor Arena in Oslo brachte Griechenland die Stimmung zum Kochen. Es war nicht überraschendes, aber auch kein Totalausfall – nur das Übliche aus Griechenland eben.
Großbritannien ging dieses Jahr unerklärliche Wege: Nach Jades großem Erfolg haben die BBC und die Briten doch tatsächlich gedacht, dass sie einen jungen Sänger namens Josh Dubovie ins Rennen schicken könnten, um einen ähnlichen Erfolg dieses Jahr zu feiern. Der größte Fehler war hier, einen Pete Waterman-Song in bester Tradition von Rick Astley und Kylie Minogue zu nehmen – absolut nicht mehr zeitgemäß und aalglatt. Dubovie versuchte krampfhaft das Beste aus der seichten Popnummer zu machen, scheiterte aber letztendlich dennoch. Die Treppenkonstruktion war zwar ganz schick, aber spätestens seit dem kläglichen Untergang der deutschen No Angels weiß man “Lange Stoffschleier ziehen nicht!”. Ich hatte schon in meinem Eurovision-Check eine schlechte Platzierung prognostiziert, und so ist es auch gestern Abend eingetreten – Irgendwie hat mir Dubovie ja schon fast Leid getan. 25ter und somit letzter Platz für Großbritannien.
Ein Lichtblick bildete Georgien dieses Jahr, die voll und ganz auf Folklore verzichteten und mit Sofia Nizaradzhe eine bildhübsche Musicaldarstellerin zum Song Contest schickten. Mit “Shine” machte sie ihrem Titel alle Ehre: Sie strahlte in einer feurig-roten Robe auf der Bühne, sang jeden Ton perfekt und tanzte noch ganz nebenbei gemeinsam mit den Tänzern die moderne Choreographie, die von dem Franzosen Redha erarbeitet wurde. Kein Wunder: Nizaradzhe spielte in Moskau in seinem Musical “Romeo & Julia” bereits die weibliche Hauptrolle. Tolle Stimme, großartige Performance auf hohem Niveau und mit viel Qualität. Platz 9 für Georgien – hätte von mir aus auch gerne besser abschneiden können.
Ebenfalls zu meinen Favoriten dieses Jahr gehörte die türkische Rockband maNga: “We Could Be The Same” hat ein geniales Mitklatsch-Intro, treibende Schlagzeugbeats und tolle DJ-Elemente. Dazu kommt noch die unglaublich eingängige Melodie, gesungen von Frontsänger Ferman Akgül mit recht soliden Vocals. Gut, der ganz in Silber, weibliche gehaltene Power Ranger im Hintergrund war vielleicht etwas zuviel des Guten, aber kreativ und stimmend war das Staging allemal. Schön, dass wir gerade von der Türkei in den letzten Jahren so viele interessante und schöne Beiträge zu sehen bekommen. Europa mochte die Rocknummer, daher Platz 2 für die Türkei.
Zu Albanien möchte ich eigentlich gar nicht viel sagen – es war der Beitrag, bei dem ich mir vorm TV eine Pause gegönnt hatte. Juliana Pashas “It’s All About You” ist auf die Dauer nervtötend. Der Bühnenauftritt war langweilig, die Frisur erinnerte sehr an frühere deutsche Fernsehmoderatorinnen und der leicht asiatische Hosenanzug völlig unpassend. Die Beats hetzen in bester Ralph Siegel-Manier nur so durch den Song und hauen metaphorisch die letzten Überbleibsel von Melodie vollends kaputt. Platz 16 für Albanien.
Im Vorfeld war die Isländerin Hera Björk nach ihrem fulminaten Auftritt im Semi-Finale ganz weit oben in der Scoreliste geschätzt worden, letztendlich reichte es dann doch nur auf Platz 19. “Je ne sais quoi” ist die typische Eurovision-Dancehymne: Zweisprachig, tanzbar, gesangsstark. Dass Hera Björk dann noch aufgrund ihres Bühnenoutfits noch eine erschreckende Ähnlichkeit mit der Prinzessin Kleinröschen aus dem Kultmärchen “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” hatte, halte ich aber für reinen Zufall Think big hat dann für Island doch nicht ganz gereicht, daher Platz 19.
Geballte Mönchskuttenpower gab es dieses Jahr von der Ukraine: Alyosha rockte mit “Sweet People” die Halle und überzeugte zwar mit lauter, starker Stimme, jedoch ist der Song völlig frei von Highlights. An ihrer Bühnenpräsenz sollte sie vielleicht noch etwas feilen, so wirkte sie teilweise sehr alleingelassen auf dieser übergroßen Bühne. Platz 10 ist daher schon zu gut für diesen Beitrag inklusive Fetzenkostüm.
Für vorzeitiges WM-Feeling sorgte Jessy Matador aus Frankreich. Welch geschickter Coup, den offiziellen, französischen WM-Song zum ESC zu schicken! Die Performance hat einfach gute Laune verbreitet und überzeugte durch fetzige Dancemoves und klasse Sommerfeeling. Vielleicht nicht sonderlich anspruchsvoll, aber das muss ein Sommersong auch nicht sein. “Allez, Ola, Ole” war für mich der Partyhit des diesjährigen Song Contests, daher bin ich über Platz 12 ein wenig enttäuscht.
Feurig wurde es bei Paula Seling & Ovi, dem rumänischen ESC-Act 2010 – Man nehme ein Piano, lässt sie einen musikalischen Geschlechterkampf austragen und drumherum viele Feuerfontänen sprühen. Et Voilá: Fertig ist der Beitrag. Der Song ist zwar kein Meisterwerk, aber durchaus dank des “catchigen” Refrains anhörlich. Schrecklich war nur der hundsenge Latexanzug, der wie ein Catwoman-Kostüm vom letzten Halloween aussah. Nee, das musste nicht sein. Überraschenderweise landete Rumänien somit auf dem dritten Platz. Überbewertet? Mag sein. Es könnte aber auch schlimmeres geben.
Danach wurde es ganz ordentlich traurig: Die Kneipenhymne “Lost & Forgotten” von Peter Nalitch und seiner Band war unspektakulär und setzte ganz auf Druck auf die Tränendrüse durch trauriges Gejammer und niedergeschlagenem Gesichtsausdruck. Wie ich schon bereits beim Teilnehmer-Check schrieb: Es passt perfekt zu den armen Tropfen in der Bar, die über ihrem vierten Glas Bier sinnieren und nachdenken, was in ihrem Leben alles so falsch gelaufen ist. Wo ist die Kleenex-Box, wenn man sie mal braucht?! Dass diese Nummer nicht vergessen wurde, beweist die Endplatzierung Russlands: Platz 11.
Zweite weibliche Favoritin und gleichzeitig auch Konkurrentin für Lena nach Safura war die hübsche Armenierin Eva Rivas, deren Dekoletée vielleicht ein bisschen zu sehr gepusht und ihre wallende Haarpracht zu sehr verlängert wurde. Und wer kam eigentlich auf die verrückte Idee mit den blauen Kontaktlinsen? Mindestens genauso unpassend war das Staging von armeniens Song “Apricot Stone”: Irgendwelche älteren Armenier machen einen auf Dorfbrunnen – das mag vielleicht traditionell sein, passt aber meines Erachtens überhaupt nicht zu der aufgedonnerten Sexyness von Eva Rivas. Aber: Der Ethno-Popsong war gut und catchy, vielleicht etwas zuviel Pyrotechnik, aber ganz gut. Platz 7 fürArmenien.
Nun ging’s um’s Ganze: Der mit Spannung erwartete Auftritt von Lena war soweit und viele Wohnzimmer in Deutschland fieberten sicherlich nervös den ersten Tönen von “Satellite” entgegen. Und was soll ich noch dazu sagen: Es war einfach bombig. Lena lieferte gestern Abend den besten Auftritt von “Satellite” bisher ab und spielte souverän mit koketten Blicken mit den Kameras. Die Stimmung im Saal kochte bereits, als die ersten Beats erklangen und Lena wieder zu ihrem Persönlichkeitstänzchen ansetzte. Grandios! Stimmlich kann man sich durchaus streiten, genauso wie um ihren seltsamen Akzent. Dass Lena trotz dieser kleinen Streitigkeiten nun ganz Europa beeindruckt hat, zeigt, dass es im ESC eben auch um andere Dinge geht. “Satellite” ist verdammt catch, modern und lief im Contest wirklich außer Konkurrenz. Bravo Lena, damit hat Deutschland verdient nach 28 Jahren gewonnen! Unglaublich…
Richtig schwer hatte es die Portugiesin Filipa Azevedo nach dieser Vorlage: Die Ballade “Ha Dias Assim” war zwar nett, klang aber ein bisschen zu sehr nach einem Mariah Carey-Christina Aguilera-Mashup. Sympathisch versuchte sie die Zuschauer zuhause mit ihren verträumten Blicken in die Kamera zu bezirzen. Das konnte man als Schadenbegrenzung werten, da Azevedo bei den höheren Tönen so dermaßen angestrengt das Gesicht verzog, dass es schon wirklich nicht mehr schön aussah. Platz 18 für Portugal.
Israel gehörte dieses Jahr ebenfalls zu den Favoriten und enttäuschte leider bei der Endplatzierung im Contest mit Platz 14. Gab es zuviele Balladen, lag es an der Platzierung? Ich weiß es nicht, jedenfalls finde ich es für Harel Skaat mit seiner melancholischen Ballade “Milim” doch verdammt schade. Tolle Stimme voller Emotionen, intimer Auftritt – mich hat “Milim” live sehr berührt.
Schon waren wir beim letzten Beitrag angelangt: Chanée & N’Evergreen haben durchaus den Copycat-Award 2010 verdient. Der dänische Beitrag “A Moment Like This” klang verdammt nach ABBA, Shania Twain, Sting und Tina Turner. Für den Eurovision-Klassiker-Fan war die Nummer sicherlich fulminant mit vielen Pyroeffekte. Aber das reicht eben nicht immer. Daher gab es Platz 4 für die Dänen.
Die Übergangszeit zwischen Televoting-Auszählung und Punktevergabe war dagegen absolut genial: Oslo inszenierte das europaweiten Flash Mob Dance – in Aufzeichnungen und Live-Übertragungen brachte man hier alle teilnehmenden Länder zusammen in einem Megamix von Madcons neuem Song “Glow”. Dieses Wir-Gefühl, das inszeniert wurde, ist wahrhaft gigantisch. Da kann kein Cirque de Soleil mithalten – das war ehrlich, einfach und doch groß. Europa tanzt. Großartige Idee, großartig umgesetzt.
Die Punktevergabe war dagegen für Deutschland ein echter Krimi: Bangend saßen sicherlich Massen von Menschen vor den Fernsehern und hofften auf eine gute Platzierung Lenas. Hape Kerkelings Punktevergabe von der Hambrurger Reeperbahn war dagegen wirklich grandios. Besonders Hapes “Oh Oh”-Einstimmung auf den hinter ihm gröhlenden Chor von Menschenmassen war einfach klasse. So locker-flockig muss Grand Prix sein. Als die erste 100 Punkte-Marke für Deutschland geknackt wurde, dachte ich “Mensch, die wird doch wohl nicht…?!”. Und ehe ich es erfasste, hatte Lena sogar schon die 200-Marke geknackt. Als dann noch ein hörbar nervöser Peter Urban murmelte “Wir sind uneinholbar” war die Stimmung perfekt. Kurz nach Mitternacht war es dann offiziell: Lena hat mit “Satellite” den diesjährigen Eurovision Sing Contest in Oslo. Dieser Abend wird in die in die Musikgeschichte eingehen. Deutschland wird künftig sicherlich nicht mehr pausenlos mit “Ein Bisschen Frieden” assoziiert werden, sondern mit dem deutschen Fräulein Wunder Lena und ihrem poppigen Hit “Satellite”. YES!
Nun heißt es: Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland
Danke Lena, Danke Stefan Raab! Es ist der absolute Wahnsinn!
Erfolgreich war der ESC in Deutschland aber auch aus Sicht der ARD: 14,69 Millionen schalteten gestern Abend ein, um mit Lena mitzufiebern – das ist mit fast 50% Marktanteil glattes Fußball-WM-Niveau. Eine bessere Quote erzielte der Eurovision Song Contest nur im Jahr 1980. “Unser Star für Oslo” und die Kooperation mit Raab und ARD haben also mehr als ihr Ziel geschafft: Deutschland wurde wieder für den Grand Prix sensibilisiert. Um 0:10 waren es sogar unglaubliche 20 Millionen Menschen vor den deutschen Fernsehern, die Lenas unglaublichen Sieg miterlebten. Ein wahrer Erfolg!
Wie geht es nun weiter
Eigentlich hätte ich an dieser Stelle wie im letzten Jahr wieder geschrieben “Das war mein letzter Beitrag zum diesjährigen Song Contest. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder mit dem ESC aus der europäischen Stadt XY”. Nun ist alles anders: Lena hat gewonnen, Deutschland hat gewonnen, somit wird der nächste Eurovision Song Contest nicht neben kalten Fjorden oder etwas in anderen osteuropäischen Hauptstädten stattfinden, sondern bei uns in Deutschland.
Die große Preisfrage ist derzeit: Wo wird nächstes Jahr die größte musikalische TV-Show der Welt in deutschen Gefilden stattfinden? Laut NDR hat Deutschland viele schöne Städte, der Austragungsort stehe daher noch nicht fest. Heiße Favoriten sind laut Eurovision.de Hamburg, Hannover, Berlin und Köln. Ich tippe dabei sehr schwer auf Hamburg als Zentralstadt des Norddeutschen Rundfunks oder unsere Hauptstadt Berlin.
Weitere Details wird es wohl dazu in den kommenden Tagen geben, wie bereits mehrfach im Vorfeld angekündigt wurde. Am Montag gibt es um 12 Uhr eine Pressekonferenz mit Raab, Lena und anderen Verantwortlichen des NDR und der ARD anwesend sein werden. Vielleicht bringt das ein wenig Licht ins Städtedunkel. Wo kann man Tickets kaufen?? Egal wo, ich will nächstes Jahr verdammt nochmal dabei sein! Und dann bitte Hape Kerkeling als Moderator, jawoll!
Laut Stefan Raab könnte nächstes Jahr Lena tatsächlich nochmals für Deutschland antreten – ganz nach dem Motto “Never change a winning team”. Nur ein Scherz? Man weiß es noch nicht. Ich würde das zwar etwas schade finden, weil das vielleicht nicht ganz so abwechslungreich wie ein neuer Künstler über die Show “Unser Star für XY” wäre. Schlecht wäre diese Entscheidung nach diesem fulminaten Sieg aber sicherlich nicht.
Meine ESC-Reihe zum Contest in Oslo endet nach Wochen vor Spaß und Spannung rund um die ESC-Events – die Zukunft beginnt aber glücklicherweise schon morgen mit der angekündigten Pressekonferenz, wenn es heißt: Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland.
Update: Auch wenn der Austragungsort noch nicht feststeht, wurden jeweils die Termine für den Song Contest 2011 bekannt gegeben. Also Kalender suchen und folgende Termine notieren:
Die beiden Semi-Finals finden jeweils am 17. und 19 Mai statt. Das große Finale wird dann am 21. Mai 2011 in Deutschland zelebriert
Was für ein Abend: Ich sitze gerade immer noch völlig baff vor dem PC und kann es gar nicht richtig fassen. Vor Wochen hatte ich gepostet, warum Lena tatsächlich gewinnen könnte – und sie hat es getan! So spannend und unterhaltsam war der ESC schon lange nicht mehr – dank Lena. Mit unglaublichen 246 Punkten hat die 19-jährige Hannoverin sich nicht nur kürzester Zeit in die deutschen Herzen, sondern auch in die Herzen von (so ziemlich) ganz Europa gesungen. Es hat nicht Fräulein Driebb Drobb aus Aserbaidschan gewonnen, kein serbisch-androgynes Retortenmännchen, keine armenischen Aprikosenkerne. Nur Lena mit ihrem kleinen Schwarzen, schwarzer Strumpfhose und schwarzen Pumps. Und natürlich mit einem wundervollen, modernen Popsong wie “Satellite” im Gepäck.
DAS WAR DER KRACHER.
Hier sind Lenas erste Äußerungen und Reaktionen zum überwältigenden Sieg:
Lena hat – Akzent und Stimme hin oder her – einen fabelhaften Auftritt in Oslo mit viel Charme und Esprit hingelegt. Zudem war durch die vielen Balladen und massigen 08/15-Popnummern “Satellite” im Sound schon ziemlich “unique”. Und: Es hat sich wieder gezeigt, dass “Unser Star für Oslo” und die Kooperation mit Stefan Raab für die ARD das mit Abstand Beste war, was dem Sender je hätte passieren können. Ich bin mir seit heute Nacht sicher, dass da nicht nur nächstes Jahr “Ein Star für Berlin(?)” gesucht wird, sondern künftig jedes Jahr sogar ganz viele Stars. Hallelujah, das hat Deutschland im ganzen DSDS-Schmarrn einfach gebraucht!
Diese schon beinahe historische Nacht zelebriere ich einfach nochmal mit der Siegerperformance von Lena – “Love, oh Love…” Da hatte ich ungelogen die Hände über den Kopf geschlagen und ein wenig Wasser in den Augen…
Mitsingen, Fähnchen schwenken, mitjubeln und sich auf nächstes Jahr freuen, wenn es nach ganzen 28(!) Jahren heißt: Eurovision Song Contest 2011 in Germany!
Damit verabschiede ich mich für heute von euch und mache mich immer noch völlig fassungslos auf die Socken – einen vollständigen Bericht über den grenzgenialen Contest wird es im Laufe des heutigen Tages an dieser Stelle dann geben. “Baby, baby, baby…”
Danke Lena für diesen Abend, danke Stefan Raab für die mit Abstand beste Castingshow der letzten Jahre! …und natürlich für diesen grandiosen Sieg!
Heute Abend wird es für 17 weitere Nationen spannend: Das zweite Semi-Finale des Eurovision Song Contests in Oslo steht an und jetzt geht es um die Wurst. Leider darf Deutschland heute Abend nicht abstimmen, wer nun ins große Finale am Samstag kommen wird. Um nun meine ESC 2010-Reihe zu komplettieren, gibt es nun heute die restlichen Teilnehmer des heutigen zweiten Halbfinales im Check. Also Boxen an, zurücklehnen und los geht es!
Litauen: InCulto – Eastern European Funk
Get up and dance! Dieser litauische Beitrag ist irgendwie ganz cool und versprüht ein ziemliches Retroflair. Ich persönlich finde es ziemlich gewagt, Acappella-Gruppen zum ESC zu schicken, da diese Musikart schon fast nur einen bestimmten Nischenmarkt anspricht. Mir gefällt der recht unterhaltsame Beitrag irgendwie, der Refrain ist sehr eingängig und merkt InCulto an, dass sie die ganze Veranstaltung nicht ganz so bierernst nehmen wie manch andere Nachbarländer. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass es nicht für das Finale reichen könnte – wäre schade, aber den Rang für den Acapella-Sieger der Herzen wäre ihnen sicher.
Schweiz: Michael von der Heide – Il Pleut De L’Or
Die Schweiz trällert beim diesjährigen Song Contest mal wieder auf französisch und singt vom Goldregen. Von der Heide, der bereits vor ettlichen Jahren mal im deutschen Vorentscheid für den ESC herumgewuselt ist, wirkt zu glatt, um dem einfältigen Song das gewisse, herausragende Etwas zu verleihen. Es wirkt wie eine 08/15-Radionummer, die nebenher mal im Hintergrund dudelt und bleibt einfach nicht im Gedächtnis haften – Höhepunkte gibt es kaum (wie merkwürdigerweise bei sovielen anderen ESC-Songs in diesem Jahr!). Die Schweiz wird sich heute Abend neben Safura, maNga und Co. sicherlich warm anziehen und auf ein kleines Wunder (in Form eines Goldregens?) hoffen müssen.
Slovenien: Ansambel Žlindra & Kalamari – Narodnozabavni Rock
Oh weh, wieder ein sehr sehr sehr sehr volkstümlicher Beitrag aus dem Osten. Was für ein abgefreakter Beitrag! Zugegeben: Es ist schon sehr mutig, Volksmusik und Poprock in einem Song zu mischen und dadurch Stilwechsel binnen wenigen Sekunden durchzuführen. So fühlt man sich teuflisch hin- und hergerissen zwischen Volksmusik Marke Florian Silbereisen und Schlagerrock à la Musikantenstadl mit Andy Borg. Beides ist unsäglich unerträglich – und so ist es leider auch der slovenische Beitrag mit einer slovenischen, züchtig angezogenen “Heidi” und einem Wolfgang Petry-Rocksänger. Wir haben im ersten Semi-Finale gesehen, dass Volksmusik am Beispiel der Finnen dieses Jahr nicht zieht. Das Finale für Slovenien ist meiner Meinung nach daher schon recht utopisch. Aber jetzt habe ich unerklärlicherweise richtig Lust auf Calamares… seltsam.
Kroatien: Feminnem – Lako Je Sve
“Lako Je Sve” der kroatischen Girlgroup Eminem Feminnem klingt recht hübsch: Die drei Damen verfügen über sehr kraftvolle Stimmen, die diese Ballade im westlichen Stil ziemlich gut tragen und wirkliche Akzente setzen. Sehr interessant ist die Entwicklung des Songs, der erst sehr ruhig beginnt, dann sich – leider – an Beyoncés “Halo”-Beats bedient und danach von sattem Gitarrenrock begleitet wird. Natürlich darf bei einer sehr weiblichen Osteuropa-Nummer nicht der Tüll und Pomp in den Outfits fehlen, so dass die Nummer optisch zu stark diesen gewissen Tussi-Faktor hat und die drei Grazien vielleicht dadurch etwas abgehobener wirken, als sie es ohne hin schon tun. Abgesehen von den stofflichen und persönlichen Perspektiven ist jedoch “Lako Je Sve” eine recht nette Popballade, die es locker ins Finale schaffen könnte.
Zypern: Jon Lilygreen & The Islanders – Life Looks Better In Spring
Zyperns Titel klingt dieses Jahr so, als ob er aus Irland oder Großbritannien stammen könnte. Jon Lilygreen und seine Leute von der Insel reihen sich mit dem Gitarrenrocksong “Life Looks Better In Spring” direkt in die Reihe der diesjährigen Songwriterecke mit Tom Dice und Anna Bergendahl. Dementsprechend hat der Zypernbeitrag auch viel Konkurrenz, sollte er es mit Schweden ins Finale schaffen. Die Nummer ist nicht unbedingt jetzt etwas, was ich dauerhaft auf “Repeat” stellen würde, aber der leidenschaftlich gesungene Refrain mit schicker handgemachter Musik gefällt beim ersten Hören durchaus.
Bulgarien: Miro – Angel Si Ti
Der bulgarische Beitrag fängt sanft und sehr hoffnungsvoll an (das Piano klingt verdammt nach dem 90er-Hit “Children” von Robert Miles), verkommt aber spätestens ab dem Einsatz der stampfenden Haudrauf-Beats, die Eurovision-Hardcore-Fans von den letzten Jahren mehr als nur gewohnt sind. Man hört weiter, mit der Hoffnung: “Da kommt doch noch was”. Und: Zack! Schon ist der Song auch wieder ganz plötzlich aus. Einfach so. Ich mag solche Songs einfach nicht. Auch wenn Miro schon der passende Sänger für einen solchen Titel ist, aber es ist mal wieder das Lied selbst, dass sich beim Hören durch gering qualitative Komposition schon beinahe “Mission: Impossible”-like selbst zerstört. Irgendwie beschleicht mich das böse Gefühl, dass der Kitsch aus dem Videoclip uns auch auf der ESC-Bühne in Oslo “entgegenspringen” wird…
Irland: Niamh Kavanagh – It’s For You
Niamh Kavanagh hat bereits schon den Eurovision Song Contest 1993 für Irland gewonnen und nach vielen Auftritten will sie es scheinbar noch mal wissen. Mit “It’s For You” wird ihr ein zweiter Sieg möglicherweise nicht noch einmal gelingen. Stilistisch klingt der Titel fast genauso wie der diesjährige Beitrag aus Norwegen, nur weniger klebrig als Didrik Tolli-Tangens Übertheatralik. Irgendwie nicht mein Fall, da zu sehr “Contemporary Adult”-Musik. Mal sehen, wie er heute Abend abschneiden wird.
Das war nun der letzte Teil meines Eurovision-Checks – wer nun auf die Auftritte und die ganzen Stagings gespannt ist: Ab 21 Uhr gibt es das heutige Semi-Finale als Live-Stream unter der offiziellen Seite des Eurovision Song Contests unter eurovision.tv online zum anschauen. Oder besser: Auf Eurovision.de gibt’s die deutsche Version mit Kommentar von Peter Urban. Lohnt sich sicherlich! Ansonsten: Bis Samstag freuen auf Lena, Peter Urban und natürlich Hape Kerkeling, der dieses Jahr sowohl das Oberhaupt der deutschen Jury ist als auch die deutschen Punkte live aus Hamburg verkünden wird. Für ihn geht damit ein großer Traum in Erfüllung den er damals in den 80ern schon in seinen Sketchen ausgelebt hat:
Bei diesem Feuerwerk würde man sich gleich doppelt wünschen, dass Lena gewinnt! In diesem Sinne: Twalf Pünts, Punktsen, äh… Pjuääh.
Der Eurovision Song Contest 2010 ist nun endlich seit gestern Abend im vollen Gange und im ersten Semi-Finale die ersten Teilnehmer und höher gehandelten Favoriten aus dem Songwettbewerb ausgeschieden. Leider hatte Deutschland das Pech (oder auch Glück?), im Semi-Finale abstimmen zu können und nicht eben in der zweiten Vorauswahl am Donnerstag, in der sich viele große Favoriten wie Safura (Aserbaidschan), maNga (Türkei) und Eva Rivas (Armenien) tummeln. So gestaltete sich das gestrige Semi-Finale als recht eintönig und spiegelte nur einmal mehr die Einfallslosigkeit der diesjährigen Beiträge wider…
Leider habe ich es aufgrund einiger Zeitprobleme (jaja, das leidige Studentenleben) nicht geschafft, den einen oder anderen ausgeschiedenen Beitrag noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber da diese gestern auch nicht weitergewählt wurden, erübrigt sich das auch absolut
Hier nun die weiteren Semi-Final- und Final-Teilnehmer – ob witzig, ätzend oder angenehm, das dürft ihr entscheiden!
Bosnia & Herzegowina: Vuksasin Brajic- Thunder and Lightning / Finale
Ist es ein Zeichen, dass es während dem Song bei uns heftig geblitzt und gedonnert hat? Puhhh. Der werte Herr hat gestern zwar “netten”, aber absolut belanglosen Radiorock Marke Ostblock zum Besten gegeben. Marke Ostblock heißt “Lass uns Oasis-like krächzen, merkwürdiges Englisch singen und bisschen Schlagzeug drunter mischen”. Scheinbar fand er seine Backgroundsängerinnern obendrein noch ziemlich anziehend, sonst hätte er wohl nicht ganz so viel im gestrigen Semi-Finale an ihnen rumgegrabbelt. Insgesamt wirkt der Beitrag aber einfach zu glatt und brav, um zu einer richtigen Rocknummer zu forcieren. Da hilft auch dieses schicke, rote Pseudo-Handbanger-Jäckchen nicht sehr viel. Für mich war das gestern eine große Überraschung, dass es diese durchschnittliche Nummer überhaupt ins Finale geschafft hat (bestimmt nur wegen der Brian May-Version für Arme!). Aber nun gut, chacun à son gout.
Russland: Peter Nalitch & Band – Lost & Forgotten / Finale
Qualitativ ist Russland auf dem absteigenden Ast: 2008 gewann dank Timbaland-Produktion und Plushenko-Eislauf-Unterstützung Dima Bilan mit “Believe”, im Jahr darauf enttäuschte eine krächzende Anastasia Prohodko “Mamo” ins Mikrophon. Dieses Jahr setzt Russland ebenfalls auf wenig Akzente. “Lost & Forgotten” könnte eine Hymne auf all die armen Tropfe an der Bartheke sein, die melancholisch vor ihrem vierten Glas Bier sitzen und nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Kneipenathmosphäre pur – das hätte man von Russland sicherlich nicht erwartet, steht doch der Beitrag völlig in Kontrast zum vergleichsweise pompösen Beitrag von Dima Bilan 2008. “Lost & Forgotten”… könnte gut sein, dass dieser Titel seinem Namen vielleicht alle Ehre macht.
Belgien: Tom Dice – Me and My Guitar / Finale
Ach ist das schön, endlich gibt es hier mal ein wenig Abwechslung: Der Belgier Tom Dice setzt mit seinem Lied “Me and My Guitar” völlig auf seine Songwriterqualitäten und begleitet sich selbst mit seiner Gitarre. Kein Pyrotechnik-Schnickschnack, keine Backgroundtänzerinnen in sehr knappen Kleidchen und keine tollen Kostümüberraschungseffekte. Es geht einfach – wie der Titel schon sagt – nur um Tom und seine Gitarre, was stellenweise ein wenig nach James Blunt und James Morrison klingt. Ich bin privat vielleicht nicht der größte Singer- und Songwriterspartenfan, da ich plätscherne Musik doch ein wenig meide. Aber ich finde, dass Tom Dice den Song wirklich sehr gefühlvoll singt und sich richtig hineinfühlt. Dazu ist das von Belgien eine absolut willkommene Abwechslung für den Eurovision Song Contest abseits aller Eurobeats. Somit hat sich Tom verdient ins Finale gesungen und ich würde ihm eine höhere Platzierung wirklich gönnen.
Albanien: Juliana Pasha – It’s All About You / Finale
Fängt der albanische Beitrag “It’s All About You” noch sehr ähnlich wie Britney Spears “Womanizer” an, klingt er nach wenigen Takten dank des stampfenden Beats schon fast so, als ob Ralph Siegel sich mal wieder bei anderen Eurovision-Beiträgen in den Contest eingeschmuggelt hat. Ich kann euch beruhigen: Das Urgestein ist dieses Jahr glücklicherweise nicht dabei. Das macht den Song aber auch nur bedingt besser. Pasha hat eine sehr glatte und kraftvolle Stimme und bemüht sich, aus dem Song das Beste herauszuholen. Absolut überraschend, dass dieser Beitrag es ebenfalls ins Finale geschafft hat. Durchschnitt.
Island: Hera Björk – Je ne sais quoi / Finale
Jaaaa, die typische Eurovision-Dancenummer aus Skandinavien! Schlagt mich, aber ich finde den Titel überraschenderweise gut. Klar, jetzt vielleicht nicht so gut, dass ich den Titel den ganzen Tag auf Dauerschleife bei iTunes laufen lassen würde, aber der Song hat einfach was. Eigentlich könnte Hera Björk doch schon fast Malta vertreten, so frappant ist die Ähnlichkeit mit Chiara und anderen, zugegeben kräftigeren Damen der Insel. Der Mix aus englischen und französischen Lyrics ist dazu doch recht fesch, stimmgewaltig ist die Dame, die rein gar nichts mit der anderen Sängerin Björk zu tun hat, ebenfalls. Verdientes Finale – und vielleicht auch in den Top 15 am Samstag? C’était bien.
Portugal: Filipa Azevedo – Há Dias Assim / Finale
Filipa Azevedo ist echt ein niedliches Mädchen in einem wirklich hübschen Kleidchen mit einer sehr netten Ballade. DJoa, eigentlich doch ganze nette Voraussetzungen für einen ordentlichen ESC-Beitrag. Azevedo müht sich jedoch in dem Titel nur so ab, verzieht ordentlich und angestrengt das Gesicht, so dass sie dann doch vielleicht nicht mehr ganz so niedlich aussieht. Aber das ist eben der Preis, wenn man mit Biegen und Brechen stimmlich Christina Aguilera-Riffs nachahmen möchte und gleichzeitig eine portugiesische Version von Mariah Careys “My endless love” singt. Was sicherlich als großer, gefühlsvoller Auftritt konzipiert war, verkommt zu einer nervigen Show, in der ich am liebsten die Fernbedienung in die Hand nehmen würde, um einfach umzuschalten. Sehr schade, daraus hätte man meiner Meinung nach mit einer anderen Sängerin wirklich mehr machen können.
Norwegen: Didrik Solli-Tangen – My Heart Is Yours / Finale
Ich weiß nicht so recht, was ich von dem diesjährigen norwegischen Beitrag halten soll. Didrik Solli-Tangen hat eine wirklich fabelhafte Stimme und das kleine Quäntchen Charme, das in diesem Wettbewerb absolut von Nöten ist. Aber der Song und die Inszenierung der gesamten Nummer sind sehr grenzwertig. Der Song im Stil von Westlife-Balladen fängt leise an und hört gewaltig auf, ist aber gerade deswegen verdammt(!) vorhersehbar. Dieser obendrein ziemlich verkitschte Text in Kombination mit der aufgesetzten Theatralik macht den Beitrag noch klebriger als ein geschmolzenes MAOAM-Kaubonbon, was gerade wegen Didrik Solli-Tangens stimmlichen Qualitäten verdammt schade ist. Ein neues “Fairytale” ist das definitiv nicht. Mit einer ausgeklügelteren und weitaus weniger kitschigen Komposition hätte man meiner Meinung mehr bewirken können.
Schweden: Anna Bergendahl – This Is My Life / Semi-Finale II
Gitarrenpower beweist auch dieses Jahr Schweden mit der Sängerin Anna Bergendahl und ihrem Beitrag “This Is My Life”. Wie schon bei Tom Dice bin ich ebenfalls ziemlich vom schwedischen Beitrag überzeugt, weil er sich einfach von der üblichen ESC-Masse durch eine wunderschöne Leichtigkeit der Songmelodie abhebt. Dazu kommt noch die äußerst sympathische Anna Bergendahl, deren Timbre mir zwar nicht ganz so gefällt, jedoch den Song mit einer lockeren und gemütlichen Art zum Besten gibt. Kein ABBA-Abklatsch, keine Waterloo-Kopie. Schweden setzt mit diesem Beitrag auf den aktuellen Trend mit Interpretinnen wie Amy McDonald und Konsorten. Und das ist wirklich erfrischend für den ESC.
Insgesamt war das erste Semi-Finale gestern in der Telenor Arena in Oslo wirklich nett und eine schöne Einstimmung auf kommenden Samstag. Absolut top ist jedenfalls wieder Peter Urban, der nach seinem operationsbedingten Ausfall im letzten Jahr nun wieder ‘ran darf/kann und schon gestern ein geniales Kommentarfeuerwerk abgeliefert hat. Die ESC-Beiträge können noch so mies sein: Peter Urban reißt die ganze Veranstaltung einfach wieder hoch. Klasse!
Außerdem hat die Verkündung der gestrigen Finalisten ordentlich den Nährboden von Googles Kaffeesatzleserei weggenommen. Gestern und sogar noch heute ist beispielsweise der polnische Beitrag unter den Top 10, obwohl Martin Mronciski mit “Legenda” Europa gestern nicht überzeugen konnte. Der maltesische Beitrag “My Dream ” mit Thea Garrett war in den letzten Tagen ebenfalls zeitweise in den Top 5 und hat auch das Nach Hause-Ticket lösen müssen. Wie sagte Stefan Raab erst in der deutschen Pressekonferenzt so schön “Don’t believe the hype”.
Einen kleinen Tipp habe ich ebenfalls für ESC-Interessierte: Die Blogger Lukas Heinser und Stefan Niggemeier führen einen sehr amüsanten und interessanten WeblogOSLOG mit vielen Videoepisoden aus Oslo und den vielzähligen ESC-Veranstaltungen vor Ort. Hier ein kleiner Einblick in das sehenswerte Schaffen der Beiden:
Wie geht’s nun weiter im ESC-Trubel? Morgen überträgt EinsFestival um 21:00 Uhr das zweite Semi-Finale des Eurovision Song Contests, NDR zeigt die Aufzeichnung zu einer unhumanen Uhrzeit um 0:35 Uhr. Bis dahin gibt es hier natürlich morgen den vierten und letzten Teil des ESC 2010-Kandidaten-Check. Und dann heißt es hoffentlich am Samstag: Germany, 12 Points! ARD, 21:00 Uhr – Das große Finale des Eurovision Song Contests mit u. a. den vier Geldgebernationen Deutschland, Spanien, Frankreich und Großbritannien. Exciting! Wir sind gespannt.
Superhelden sind in Animationsfilmen gerade gefragter denn je: Pixar hat 2004 mit “Die Unglaublichen” gezeigt, dass animierte Superheldenstories in animierter Form richtig abgehen können. Da hat einfach von den tollen Charaktere bis hin zur spannenden, actionreichen Handlung wirklich alles gestimmt. Eine Fortsetzung lässt aber trotz des Erfolges leider immer noch auf sich warten. Daher hat nun die Konkurrenz die Superhelden – oder besser gesagt Antihelden für sich entdeckt und lässt dieses Jahr gleich zwei heldenhafte Animationsfilme auf das Kinopublikum los. Beide in Starbesetzung, beide recht ungewöhnlich, aber seht selbst.
“Despicable Me” kommt wirklich locker-flockig daher und wirkt beinahe wie ein Disney Pixar-Rip-Off – aber zugegeben im wirklich guten Sinne. Lustige Gags, freakige kleine gelbe Dinger namens Minions und eine ordentliche Portion Größenwahn. Gleichzeitig zeigt der Film aber auch eine sehr schöne, warmherzige Seite, in dem der Bösewicht Gru (gesprochen von Comedian Steve Carell) auf drei kleine, süße Mädchen stößt, die sein Leben als Superbösewicht ganz schön auf den Kopf stellen. Ich bin kein großer Fan von CGI-Filmen außerhalb der Pixar- und DreamWorks-Welt, aber das sieht doch wirklich nach einem sehr unterhaltsamen Animationsfilm mit einigen guten Gags aus.
In “Megamind” (früherer Tite: “Oobermind”) spielt ebenfalls wie in “Despicable Me” der Obersuperbösewicht die Hauptrolle: Megamind (gesprochen von Will Ferrell) ist dabei ein blaues Wesen ind schreclich engen Latexpants und Lederboots, das sich mit seinem Rivalen, dem Superhelden Metro Man (Brad Pitt) nur so um die Wette battelt. Ich liebe Will Ferrell, aber der Trailer wirkt schrecklich aufgesetzt. Der ganze Look wirkt ziemlich eindimensional und erinnert schon fast an den schwächsten DreamWorks-Film “Monsters Vs. Aliens”. Aber: Der Trailer zu “Drächenzähmen zeicht gemacht” war ebenfalls sehr mäßig, während sich der eigentliche Film schon fast als wahres Meisterwerk entpuppte. Daher habe ich noch einen Funken Hoffnung. Im Vergleich dieser beiden Supervillain-Filme anhand der Trailer muss ich aber tatsächlich “Despicable Me” der DreamWorks-Produktion eindeutig vorziehen. Trotz Ferrell. Trotz Studiobonus. Aber Witz, Optik und Figuren wirken hier etwas ausgegorener als im ziemlich überladen wirkenden “Megamind”.
Wer ebenfalls vergleichen möchte: “Despicable Me” (Deutscher Titel “Unverbesserlich Ich” – hm?) ist ab 30. September 2010 in den deutschen Kinos zu sehen, “Megamind” läuft ab 02. Dezember 2010 an.
In wenigen Wochen gehen die Spielzeuge in den USA in die dritte Runde, daher gibt es eine neue Online Featurette zu “Toy Story 3″ mit vielen neuen Einblicken zu den Sprechen wie Michael Keaton (Ken), Jodi Benson (Barbie) und Ned Beatty (Lots-O-Huggin’-Bear). Das sieht nach einer Menge Spaß aus – Ich freu mich wirklich immer mehr auf diese Fortsetzung!
Da kommt man nach einem langen Tag an der Uni nach Hause, der Schädel brummt vor lauter Input und man denkt sich nichtsahnend “Ach, geht man doch nochmal schnell ins Internet”, bevor man sich dem typischen Fernsehdienstag widmet. Falsch gedacht – hätte ich das doch bloß nicht gemacht.
Dank der Verlinkungen zu einer meiner Lieblingsblogs – Sir Donnerbolds Bagatellen (an dieser Stelle ein dickes Dankeschön für die Verlinkung zur ITFS-Reihe und Rapunzel!) – musste ich doch gleich mal nachschauen – mit der Reaktion, dass mich der pure Schlag bei den News getroffen hat.
Soll heißen: Die deutsche Delegation der Walt Disney Studios hat mal wieder zugeschlagen – und wie. Vorletzte Woche war ich auf dem Stuttgarter Trickfilmfestival und war so unglaublich erleichtert, dass trotz der amerikanischen Umbennung von “Rapunzel” in “Tangled” der deutsche Titel weiterhin “Rapunzel” bleiben sollte. Aber ich muss zugeben, mich hat damals schon ein kleines, unangenehmes Gefühl beschlichen, dass da doch noch irgendetwas kommt. Irgendetwas unerwartetes. Es kann ja schließlich nicht sein, dass man einen Animationsfilm, der im Originaltitel “The Princess and the Frog” heißt, plötzlich in “Küss den Frosch” umbenennt und das Nachfolgerwerk einfach bei “Rapunzel” belässt. Neeein. Da musste noch was kommen. Und genau DAS ist heute nun passiert: Der deutsche Titel für “Rapunzel” wurde nun offiziell bekanntgegeben…
Rapunzel – Neu verföhnt.
…
Mir fehlen die Worte. Ehrlich.
Ich weiß nicht, ob ich hier lachen oder weinen soll. Lachen über die unglaublich dämliche Entscheidung der Marketing(?)-Abteilung, weinen über die Entscheidung, “Rapunzel” in Deutschland einen so dämlichen Titel zu verpassen. Wie kann man nur sowas fabrizieren? Als Kommunikationsstudentin könnte ich mir die Haare raufen. Ich male mir vor meinen Augen aus, wie wohl dieses Brainstorming zum deutschen Titel verlaufen sein muss. Wahrscheinlich haben da ganz gewitzte “Kreative” gemeint, sie hätten DEN Titel schlechthin und scheinbar haben da eben die Manager gesagt “Haha, wie witzig, das machen wir!”. Dass dieser Quatsch es nun wahrhaftig in den tatsächlichen Titel geschafft hat, ist für mich ein weiterer Beweis, dass in der deutschen Vermarktungspolitik etwas gewaltig schlief läuft.
“Neu verföhnt” – eine Abwandlung von “Neu verfilmt”. Welch zündender Wortwitz. Und genau dieser Titel soll nun mehr Massen ins Kino – und somit auch Umsatz – mobilisieren als es nun ein einfaches “Disneys Rapunzel” getan hätte? Die Marke Disney reicht scheinbar nicht. Die bekannt Märchenfigur auch nicht. Aber der Zusatz “Neu verfönt” macht alles besser und lässt das Publikum nur so in die Säale strömen? Man versucht der kommenden Animationsperle von Disney einen Stempel aufzudrücken, der unnötig und zudem völlig abstrus ist. Rapunzel hat langes Haar, das wissen wir. Aber hat damit ein Fön zu tun? Klingt, als ob in der Neuversion Rapunzel unter die Friseurazubis gegangen ist. Die Art, wie Disney in Deutschland pseudo-lustig und -hip sein möchte, ist einfach aufgesetzt und künstlich. Und: Es passt meiner Meinung nach einfach nicht zur Marke.
Diese Entscheidung ist ziemlich traurig und zeigt, dass wieder einmal zu oft am deutschen Liebhaber und Konsumenten vorbei entschieden wird. Der deutsche Titel “Küss den Frosch” war schon ein ziemlich großes Ding, das für großen Unmut gesorgt hat. Die Stimmen im Internet waren sehr negativ. Nun hat man erst vor wenigen Wochen drei Charaktere von “Toy Story 3″ mit einem Stuntcasting besetzt, wodurch alte, teilweise kultige Sprecher einfach ersetzt wurden – ebenfalls zum Unmut von Liebhabern. Dass man hier scheinbar auf Scheuklappen-Mentalität setzt, halte ich für ziemlich kontraproduktiv. Gerade aufgrund der aktuellen Marktsituation ist es für ein Unternehmen besonders von Vorteil, mit Konsumenten in einen Dialog zu treten und auf emsiges Feedback der Zielgruppe einzugehen. Man verbaut sich damit meiner Meinung nach nicht nur den Kontakt zur Zielgruppe, sondern auch einige Wettbewerbsvorteile. Aber sei’s drum.
Nun erwartet uns also im Dezember Disneys neuestes Animationswerk “Rapunzel – Neu verföhnt”… uff.
Ich gehe lieber auf meine Couch, mach mir noch einen schönen Fernsehabend und trauere um die Zeiten, in denen Disney-Filmtitel noch völlig frei von jeglichen lächerlichen und unpassenden Untertiteln waren.
Der Eurovision Song Contest 2010 kommt näher und näher – die Spannung steigt und Oslo bereitet sich auf die kommenden ESC-Wochen voller Presseevents und Proben vor. Grund genug, um sich in Teil II meines Eurovision Checks weiteren Teilnehmern des diesjährigen Song Contests zu widmen und diese unter die Lupe zu nehmen. Mal schauen, wer noch so die Bühne rockt, floppt oder einschlafen lässt.
Rumänien: Paula Seling & Ovi – Playing with Fire
Eigentlich präsentieren sich Paula Seling & Ovi doch recht kreativ: Man nehme den Geschlechterkampf und verlegt ihn an ein großes, von beiden Seiten bespielbares Klavier, an dem sich die beiden Sänger “batteln”. Der Song klingt auch ganz nett mit vielen Discobeats und ordentlichen Vocals der beiden Sänger, die mit ihrem Pianospiel auch noch Mulitasking beweisen. “Playing with Fire” ist nett, besser sicherlich als viele andere Beiträge des diesjährigen Contests – auch wenn er manchen Stellen etwas an den Klassiker “Burning down the House” erinnert. Aber ja: nett. Finale? Vielleicht. Aber wenn, dann nur im Mittelfeld. Aber an dem Outfit wird hoffentlich noch gearbeitet…
Griechenland: Giorgos Alkaios & Friends – OPA!
Griechenland setzt wieder auf Folklore-Pop, nichts neues. Ein paar Synthis hier, ein paar Handyklingeltöne dort und ganz viel “Opa!” – fertig ist der griechische ESC Song 2010. Alkaios ist in Griechenland eine bekannte Größe, wer allerdings diese rumhüpfenden “Friends” sind, das mag nur Giorgios Alkaios wissen. Jedenfalls erweisen sie sich in dem Effektehascherei-Part als ziemlich nützlich: Beleuchtete Trommeln im Dunkeln werden Alkaios entgegengehalten. Nicht gerade einfallsreich. Naja, so gezwungen “OPA!” versucht, die Europäer mitzureißen, so 08/15 klingt leider auch der Song. Absolutes Mittelmaß.
Moldawien: SunStroke Project & Olia Tira – Run Away
Und weiter geht’s mit dem Mittelmaß: Moldawien überlässt die osteuropäischen Folklorenummer dieses Jahr den anderen Nachbarländern und setzt dafür wieder auf die gute alte 90′s-Nummer mit viel Wumms und Eurobeat. Und damit der abgedroschene Stil etwas Pepp bekommt hat man noch ein wenig Saxofon drunter gemischt. Stimmt, Stromae benutzt ein – zugegeben – ziemlich kaputtes Saxofon in seinem Dancesong “Alors on danse” und Guru Josh Project (welch Wunder, auch ein Musi-Project) hat mit dem “Infinity”-Remix von 2008 bewiesen, dass Saxofone nicht ganz out sind. Das haben sich wohl auch SunStroke Project und Olia Tira gedacht und präsentieren beim ESC daher einen Song, der nicht nur völlig unoriginell, sondern auch völlig platt daher kommt. Mal sehen, ob das für das Finale reicht.
Großbritannien: Josh Dubovie – That sounds good to me
Warum, Großbritannien? Was habt ihr euch gedacht? Die letzten Jahre haben die englischen Inseln nicht gerade gut abgeschnitten – das lag besonders an der mangelnden Qualität der Beiträge, die in der starken Konkurrenz immer kläglich gescheitert sind. Letztes Jahr dann der Richtungswechsel: Die große, von Andrew Lloyd Webber komponierte Ballade “It’s my Time” von der sympathischen Engländerin Jade Ewen, aktuelles Mitglied der UK-Band Sugababes, hat damals scheinbar Europa ziemlich geflasht. So gab es einen unglaublichen Platz 5 in Moskau, ein absoluter Erfolg. Scheinbar ruht man sich dieses Jahr immer noch auf diesem Sieg aus, denn anders ist der diesjährige Beitrag nicht zu erklären. Gegen Josh Dubovie mit dem Titel “That sounds good to me” wirkt unser ehemaliger DSDS-Gewinner Alexander Klaws sogar schon fast wie der neue Frank Sinatra. Man liefert wieder “euro trash at its best” ab und man fühlt sich fast so, als ob Rick Astleys verschollener Sohn gleich als Zugabe “Never gonna give you up” trällern möchte. Kein Wunder: “That sounds good to me” stammt von dem Komponisten Pete Waterman, der damals für Rick Astley und auch schon für Kylie Minogue komponiert hat. Uff. Der Geschmack der Engländer geht unergründliche Wege. Wenn die Briten Glück haben, wird es vielleicht noch auf den vorletzten Platz reichen. Bleibt nur zu sagen: Europe, you’ll get “Josh Rolled”!
Ukraine: Alyosha – Sweet People
Die Ukraine hat im Vorfeld bereits für einen kleinen Skandal gesorgt: Ursprünglich sollte die Sängerin Alyosha mit der Rockballade “To Be Free” in Oslo an den Start gehen. Direkt nach der Bekanntgabe der Entscheidung gab es daraufhin viele Proteste, klang der ausgewählte Song doch sehr stark nach dem Titel “Knock Me Out” von der US-Sängerin Linda Perry. Der ukrainische Fernsehsender NTU prüfte die Vorwürfe und entschloss sich, – gezwungenermaßen – aufgrund von Plagiarismus den Song fallen zu lassen. Die Ukraine erhielt daraufhin eine Deadline für die Einreichung des neuen Songs, der nicht rechtzeitig eingereicht wurde. Das Resultat: Eine Strafe für NTU in ungenannter Höhe – und der nun letztendlich für die Ukraine teilnehmende Song “Sweet People”. Scheinbar hat der Zeitdruck den Ukrainern mächtig zugesetzt, sonst würde “Sweet People” vielleicht nicht ganz so belanglos klingen. Der Titel verfügt über keinerlei Spannung und endet auch beinahe abrupt, so dass man als Zuhörer schon fast hilflos und ziemlich enttäuscht zurückbleibt und sich fragt “Das war’s schon?”. Alyosha sing zwar recht hübsch, besitzt aber nicht den nötigen Ausdruck, um abseits ihrer Stimmefarbe Emotionen zu transportieren. Da waren die ukrainischen Krisengirls und Shady Ladies aber um einiges präsenter.
Weißrussland: 3+2 – Butterflies
Schmetterlinge fliegen in den Himmel gen Sonne. Hach, “Butterflies” ist wieder so ein typischer Song der Marke “Peace & Happiness”. Wieder sucht man Highlights vergeben. Die Stimmen der fünf (ja 3+2 sind 5, unglaublich!) Interpretinnen und Interpreten sind solide, aber für einen solch ruhigen und sehr klassisch geprägten Popsong wären andere Sänger á la “Il Divo” vielleicht sogar hilfreicher für das Gesamtbild gewesen. So hört man diese Ballade, denkt “nett” und vergisst sie danach auch genauso schnell wieder. Netter Durchschnitt,mehr auch nicht.
Georgien: Sofia Nizharadze – Shine
Eine tolle Popballade liefert dieses Jahr Georgien ab: “Shine” heißt der Titel, der von der bildhübschen Sängerin Sofia Nizharadze dargeboten wird. Der Beitrag beweist, dass man gut aussehen, Talent haben und gleichzeitig auch noch ein sauberes Englisch singen kann (ja, das war ein Seitenhieb auf andere Teilnehmerinnen!). Persönlich bin ich zwar kein Fan von Balladen und Schmachtnummern, dennoch gefällt mir die Nummer ausgeprochen gut, weil der Titel qualitativ sehr hochwertig ist und Nizharadze über eine sehr tolle Stimme verfügt, die live sicherlich noch besser klingt als im Studio. Toller Radio-Pop, das könnte sicherlich in Top 10 kommen – ich würde es mir wünschen.
Lettland: Aisha – What for? (Only Mr. God Knows Why)
Die “Peace & Happiness”-Fraktion des ESC 2010 haben wir mit Weißrussland bereits kennengelernt. Daneben gibt es noch die bekannte “Warum”-Ecke, zu der alle Songs gehören, die sich regelmäßig inhaltlich darüber auslassen, warum das alles um uns herum passiert: Warum gibt es Kriege? Warum gibt es Umweltverschmutzung? Warum leben wir überhaupt? Ja, warum eigentlich. Zu dieser Kategorie gehört der georgische Beitrag, der musikalisch in der dunklen Tiefe der Belanglosigkeit verschwindet. Damit dies eben nicht so schnell passiert, gibt es eben noch oben drauf einen ziemlich jammernden Text, um zumindest noch ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen. Ich mag solche Nummern einfach nicht, ganz besonders nicht, wenn diese von Sängerinnen interpretiert werden, die dabei noch ganz aufgesetzt-traurig und mitleidig in die Kamera schluchzen – ja, nur der liebe Gott weiß hier, warum. Mal sehen, ob das restliche Europa mit Aisha schluchzen möchte oder einfach nur sagt “Nimm doch endlich ein Taschentuch und weiter geht’s!”.
Niederlande: Sieneke – Ik Ben Verliefd (Sha-la-lie)
Als wahrhaftig “schlagergeil” kann man den diesjährigen niederländischen ESC-Beitrag betiteln: Die frisch-fröhliche Sängerin Sieneke wird dieses Jahr für ordentliches Jahrmarktfeeling sorgen. Bei diesem Titel bin ich absolut gespalten: Einerseits finde ich Sieneke recht sympathisch, sie lächelt den ganzen Song über und verbreitet eine echt positive Atmosphäre. Nun, die andere Seite ist der Song, der richtig nervtötend daher dudelt und zwar Ohrwurmqualitäten hat, diese jedoch ziemlich negativ ausspielt. So kommt es nach dem Hören fast schon so vor, als ob einem drei Minuten lang “Sha-la-lie” in Dauerschleife ins Trommelfell geknallt wird. Singt man überhaupt einen anderen Text in diesem Song? Interessant ist auch der Komponist des Liedes namens Pierre Kartner, hinter dem sich kein geringerer als Vader Abraham versteckt. Ja, DER Vader Abraham, der mit seinem Schlumpfsong heute noch auf deutschen Dorffesten harmlose Mittvierziger zu albernen Schreckgestalten mutieren lässt. “Ik Ben Verliefd” wird trotz diesem “Bonus” daher wohl nur im Semi-Finale bleiben.
Demnächst folgt Teil III des Eurovision 2010-Checks – stay tuned!
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