“Love, oh Love…” – Schon seit Tagen habe ich wieder diese Zeile und Melodie im Kopf. Dabei hatte ich eigentlich gedacht, dass “Satellite” gerade mal in den ersten Tagen mir im Kopf herumschwirrt und dann langsam, aber sicher wieder verschwindet – wie so viele andere Pop-, Chart- und Radiosongs eben. Aber nein: Noch Wochen nach ihrem irren Sieg der Castingshow “Unser Star für Oslo” mit Stefan Raab, bei dem sie bei ihrem Siegersong nichts anderes als “Alter Finne!” und “Baby, Baby, Baby” herausbekommen hat, dudelt Satellite weiter und weiter – das Lied nervt immer noch nicht. Mit Lenas Sieg hat die junge Dame regelrecht einen Hype ausgelöst: Medien betiteln Lena als “Fräulein Wunder mit Knuddelfaktor” (WELT). Da wundert es absolut nicht, dass Lena nun Platin für ihre Siegersingle “Satellite” erhalten hat. Lena ist schon jetzt großer Sympathieträger in Deutschland. Doch wie sieht es mit dem Rest Europas aus, den es beim Eurovision Song Contest am 29. Mai in Oslo letztendlich zu überzeugen gilt?
Um es einmal vorweg zu nehmen: Es sieht für Fräulein Meyer-Landrut sicherlich alles andere als schlecht aus, wofür auch diverse Faktoren sprechen. Hier nun einige Gründe, warum Lena dieses Jahr tatsächlich den ESC gewinnen könnte:
#1 – Lena ist bei den internationalen Buchmachern ganz weit vorne
Was wäre ein Eurovision Song Contest ohne das Gewette im Vorfeld, wer letztendlich im Finale die besten Chancen auf den Sieg hat. Nicht immer hatten die Buchmacher in den letzten Jahren Recht, gaben allerdings jedoch gute Trends und Tipps und lagen recht gut, wie der Contest letztendlich platzierungstechnisch ausgesehen würde. Aktuell ist Lena zusammen mit den Beiträgen aus Aserbaidschan und Israel ganz weit oben auf den Wettlisten wie Oddschecker.com und William Hill mit sehr guten Chancen auf Top 10, Top 4 und sogar auf das höchste Siegertreppchen. Online-betting-guide.co.uk betitelt Lenas Beitrag “Satellite” folgenderweise: “This song has a good chance and is at least one of the most original songs in the competition. Reminiscent of Lily Allen and Amy Macdonald, if the Euro Zone get it Lena Meyer and Satellite could well win Eurovision 2010 for Germany.”
#2 – Die Votings der offiziellen Eurovision-Fanclubs bescheinigen Lena eine hohe Platzierung
Jedes Jahr vor dem Contest geben die Mitglieder der internationalen und offiziellen Eurovision-Fanclubs ebenfalls ihre Stimmen für die jeweiligen Beiträge ab. Auf esctoday haben bereits die Fanclubs aud Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Luxembourg, Türkei und Mazedonien abgestimmt. Die Gesamtverteilung: Lena liegt mit Dänemark zusammen auf Platz 1. Die Votings aus Schweden, Norwegen, Zypern und Dänemark stehen noch aus, der Trend sieht aber bereits jetzt schon mehr als gut aus.
#3 – Lenas Video “Satellite” ist der meistgeklickte ESC 2010-Beitrag auf Youtube
Tendenzen für populäre Teilnehmer geben mittlerweile auch die Klickzahlen der jeweiligen Beitragsvideos auf Youtube vor: “Satellite” ist aktuell mit 5.439.223 Aufrufen die ungeschlagene Nummer Eins unter den diesjährigen Teilnehmern. Platz 2 geht an die serbische Balkan-Folklore-Popnummer von Milan Stankovic “Ovo je Balkan” mit gerade 1.289.330 Aufrufen – somit liegen über 4 Millionen Klicks zwischen ihm und unserer Lena. Zum Vergleich: Beim Eurovision Song Contest 2009 waren unter den meistgeklickten Teilnehmern Alexander Rybak, AySel & Arash und Hadise – alle drei Teilnehmer sind letztendlich in den Top 4 gelandet bzw. haben den Contest letztendlich auch gewonnen.
#4 – Die Konkurrenz 2010 ist im Vergleich zu anderen Jahren relativ schwach
Der Eurovision Song Contest 2010 wird sicherlich nicht der stärkste Contest werden: Zu schwach, austauschbar und platt sind die meisten Songs, die wir Ende Mai dann live präsentiert bekommen. Nichts bleibt im Ohr oder reißt vom Hocker. Das ist für Lena Vorteil und Chance genug, da sie sehr authentisch wirkt und somit noch stärker aus der Masse heraussticht. Sicherlich hat Lena den einen oder anderen starken Konkurrenten wie beispielsweise Safura aus Aserbaidschan mit “Drip Drop”, die sich mehrfache amerikanische Unterstützung für ihren Beitrag geholt hat. Mehr zu den stärksten Konkurrenten und wie stark ihre Beiträge wirklich sind, gibt es aber dann in einem anderen Post demnächst an dieser Stelle.
#5 -Internationales positives Echo im Web 2.0
Das Web 2.0 und seine Bedeutung ist in den vergangenen Jahren immens gestiegen: Man kann Teilnehmer schon vorab genau unter die Lupe nehmen und sich im Vorfeld ein Bild über die internationalen Kandidaten machen. Zudem kann man via Internet auch ziemlich Stimmungsmache betreiben – gerade im Falle Lenas klappt das doch recht gut. Man spürt, wenn ein Land hinter einem Teilnehmer steht. Das wollte die Castingshow “Unser Star für Oslo” bezwecken und das hat sie auch geschafft – Der begeisternde Funke kann im Internet schnell auf andere überspringen. Dass dies mit “Satellite” geglückt ist, kann man u. a. auf eurovision.tv, esctoday.com oder auch auf Youtube in den Kommentaren sehr schön nachverfolgen. Unglaublicherweise gibt es reihenweise User aus Großbritannien, Schweden, aber auch osteuropäischen Staaten wie Mazedonien oder auch Kroatien, die in ihren Kommentaren Lena am liebsten die 12 Punkte in die Hand drücken möchten. Vielleicht kein grundlegender Beweis, aber ein positives Anzeichen, dass “Satellite” auch im Ausland funktioniert.
#6 – Die Punkteschieberei wird durch neue ESC-Regelungen eingeschränkt
Was wurde in den letzten Jahren geschimpft: Immer schieben sich osteuropäische Staaten die Punkte zu, westliche Länder und die Geldgeber wie Spanien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland kamen jedoch völlig zu kurz. Seit letztem Jahr hat sich die Punkteverteilung jedoch ein wenig verändert aufgrund des neuen Punkteverteilungsystem aus Televoting und nationaler Jury. Dass sich hier etwas getan hat, beweist die Platzierung von Großbritannien, das schon immer als Sorgenkind des Song Contest galt und sich reihenweise schlechte Platzierungen holte. 2009 bekam jedoch Jade Ewan mit “It’s My Time”, einer recht hübschen Ballade, Punkte en Masse aus wirklich allen Ländern, selbst aus dem Osten Europas. Ergebnis: Platz 5. Das wäre vor der Umstellung schlichtweg unmöglich gewesen. Genau diese Regeländerungen im Voting könnten dieses Jahr auch Lena den Weg zu den oberen Plätzen deutlich erleichtern.
#7 – Lena
Lena könnte den Grand Prix 2010 auch aus einem Grund gewinnen: Weil sie einfach eben Lena ist. Sie verstellt sich nicht, ist süß, jung und sympathisch. Sie braucht keine sexy Kleidchen und Partytänzer um sich herum – ihre “Attitude” ist dabei Accessoire genug. Sie ist einfach anders: Ihre Aussprache, ihre Interpretation ihrer Songs, ihre Körpersprache auf der Bühne, die vielleicht manchmal seltsam-schräg, aber auch verdammt sympathisch herüberkommen. All das ist Lena und genau das ist es, was sie von anderen Teilnehmern extrem abhebt – und genau das ist es auch, was im ESC zählt: Außergewöhnlich und gleichzeitig sympathisch sein. Interessant wird dabei nun ihre Gesamtperformance am 29. Mai in Oslo werden, wobei ich auf eine ähnliche Version tippe, wie sie schon bei “Unser Star für Oslo” oder “Wetten, dass…” gezeigt wurde.
Diese Gründe sprechen durchaus dafür, dass Lena in Oslo Ende Mai sehr gute Karten auf die oberen Plätze, ja, wenn nicht sogar auf einen Sieg hat. Natürlich sind die aufgezeigten Gründe nur Indikatoren und Argumente, warum Fräulein Meyer-Landrut es schaffen könnte, es aber nicht muss. Kritiker gibt es immer, und auch “Satellite” ist ein Song, der nicht nicht Jedermanns Fall ist und sein wird. Und trotz der schwachen Beiträge gibt es ja auch ein paar Konkurrenten, die ebenfalls viel positives Echo im Vorfeld geerntet haben. Wir werden es sehen – jedoch ist Lena ungelogen die erste deutsche Teilnehmerin nach vielen Jahren, der ein Sieg eingeräumt wird. Daher: Daumen Drücken und bis dahin schön “Love, oh Love” in Dauerschleife singen, dann wird alles gut.
Nächster ESC-Post: Lenas schärfste Konkurrenten im Youtube-Test – Von Aprikosenkernen bis Sting-Gitarrenriff-Mopser











